Sonntag, 11. Juli 2010

Durch die West Mac Donnells Ranges zum Camel-Cup in Alice Springs

Am Donnerstag standen wir sehr früh auf und endlich war wieder blauer Himmel. Abends schon alles vorbereitet kamen wir recht schnell in die Gänge. Kurz nach Alice Springs kamen wir am Grab von „Royal Flying Doctor Service“ Gründer Ref. John Flynn vorbei. Er wird in Australien auf Grund seiner Taten sehr geehrt und ist ebenfalls auf der Rückseite des 20-Dollar Scheins verewigt. Nach 18km erreicht man die erste Schlucht in den West Mac Donnells Ranges. Die Simpsons Gap ist eine Lücke inmitten der etwa gleichhohen und langen Bergkette. Ein kleines Wasserloch in der Mitte kann man hier die seltenen Schwarzfuß-Felsenkängurus in den frühen Morgenstunden beobachten. Wir haben in einer anderen Schlucht eins gesehen und sie sahen vom Muster den Gelbfuß-Felsenkängurus sehr ähnlich, nur was bei den einen gelb war, war hier halt schwarz. Doch an der Simpson-Gap hatten wir kein Glück. So folgten wir der Rundstrecke (ab Alice Spring knapp 500km bis zurück zur Stadt) zuerst über die nördliche Straße und kamen an verschiedenen Schluchten wie Ellery Creek Big Hole, Serpentine Gorge, Ochre Pitts, Ormiston Gorge, Glen Helen Gorge bis schließlich an die Redbank Gorge, wo wir auf dem Campground des Nationalparks übernachten wollten. Die einzelnen Schluchten sind sehr dicht an der durchführenden Hauptstraße gelegen und bieten meist unterschiedlich kurze Spaziergänge an, auf denen man wunderschöne Blicke in die Schlucht hat, oder man geht am Flusslauf entlang durch die Schlucht. Auf Grund der Niederschläge in den letzten drei Tagen, hatten die meisten Flüsse Wasser. Das ist sehr ungewöhnlich für diese Jahreszeit. Am Dienstag wurde auch die kälteste Temperatur seit Aufzeichnung in Alice Springs erreicht. Ob es am Klimawandel liegt oder einfach nur eine Wetterkapriole ist – wer weiß. Aber da die Flüsse Wasser führten, waren einige der Wanderwege nicht passierbar und somit waren wir ein wenig schneller, als wir eigentlich vorhatten. Die Nacht in der Redbank Gorge (hier sahen wir kurz vor Sonnenuntergang oben benanntes, seltenes Känguru) war zwar windig aber nicht sehr kalt. Am nächsten Morgen haben wir die hintere Schleife des Rundweges hinter uns gebracht. Ein kurzes Stück war nicht geteert und wir erreichten die Kreuzung, die nach links wieder zurück nach Alice Springs und rechts zum Kings Canyon führt. Ein gutes Stück diese feuerrote Hoppelpiste weiter kann man kurz vor Hermannsburg nach rechts ins Palm Valley in den „Finke Gorge National Park“ abbiegen. Diese Straße war nur für Allradfahrzeuge freigegeben. Das Palm Valley liegt am Ende der Straße nach 22km in der Finke Gorge. Vier Kilometer vor dem Ende liegt noch der schöne Kalarranga-Lookout (siehe Panoramabilder im Picasaweb). Zur gleichen Zeit, wo wir in die Straße einbogen, kam auch eine andere Familie. Nach bereits 500m folgte die erste Hürde. Eine Flussdurchfahrt von 60m Breite. Da besagte Familie auch nicht soviel Erfahrungen im 4WD-Fahren hat, schlossen wir uns kurzerhand zusammen. So warteten wir, bis das erste Auto durch war und dann sind wir gefahren und sie haben auf uns gewartet. Bis zum Lookout kamen noch fünf weitere Flussdurchquerungen (einmal schräg mit 150m) und später Tiefsand, hohe Absätze, Löcher und was man sich sonst noch so vorstellen kann um ein Auto ein wenig aus der Reserve zu locken.

Den Lookout haben wir zusammen genossen. Ein herrlicher Blick auf die umliegenden Berge und weiter hinter ins Palm Valley. Anschließend wollten wir die vier Kilometer auch noch fahren. Es ging wieder durch Flüsse, aber diesmal über Felsplatten mit uneinsehbaren Löchern. Kurze aber steile Passagen und lange Wasserlöcher mit Sand- und Schlammuntergrund ließen mich doch etwas schwitzen. Es ist nicht fehlender Mut, aber wenn man sich an einer Felskante die Ölwanne beschädigt, kann das schon unangenehme Folgen haben. Wir haben zwar ein Allradfahrzeug, aber zu hoch ist der Unterbodenabstand nicht. Einen Kilometer vor dem Ende habe ich dann aus Sicherheitsgründen das Auto abgestellt (die Familie auch) und wir haben uns entschlossen, den Rest zu laufen. Das Palm Valley war eine unglaublich schöne Oase. Der Rest des Flusses, den wir mehrmals überquert hatten, zog sich durch das Tal und es wuchsen jede Menge „Red Cabbage Palm Trees“ – zu deutsch wie Rotkrautpalme. Warum die so heißt, kann ich leider nicht beantworten. Wir machten einen Spaziergang entlang des Flüsschens, dann hoch auf die Schluchtkante und mit traumhaften Blicken ins Tal wieder zum eigentlichen Parkplatz zurück. Da haben wir noch andere Touristen getroffen, die ebenfalls den letzten Kilometer gelaufen sind, da es ihnen auch zu gefährlich wurde. Da der Fluss normalerweise kein Wasser hat, stellt sich die Frage wohl sonst nicht, aber hier musste man einfach nichts riskieren. Im Konvoi ging es dann wieder zurück und wir bogen noch nach Hermannsburg ab. Diese Aboriginalsiedlung wurde als Missionsstation vor langer Zeit gegründet und man kann im Ortskern noch alte Häuser aus diesen Tagen anschauen. Das wollten wir tun, aber es war bereits nach 16:00 Uhr, und es war schon geschlossen. Da aber nur ein paar Ruinen rumstanden, waren wir dann doch nicht traurig und ansonsten hatte diese Siedlung in unseren Augen nichts Interessantes zu bieten. So machten wir uns auf den Weg und fuhren zurück nach Alice Springs – wollten wir doch zum Camel-Cup am nächsten Tag nicht zu spät kommen. Der Transport war hervorragend organisiert, fuhr doch von (fast) jeder Unterkunft ein kostenloser Shuttlebus zum Rennplatz. Es war für 11:30 Uhr eine Parade angesagt, wo alle Rennkamele vorgeführt wurden und 12:00 Uhr sollte das erste Rennen starten. Mit ein wenig Verzögerung ging das Spektakel – der 40. Camel-Cup – los. Alle Kamele müssen sich vor dem Start hinsetzen und mit dem Startschuss aufspringen und losrennen. Nun ist das nicht so wie beim Pferderennen, wo alles in fast gleicher Geschwindigkeit seine Runden zieht. Zwei Kamele sind zwar aufgestanden, wollten aber erst mal in die andere Richtung rennen (was aber nicht ging). Eine Vorhut sprintete, wie von der Peitsche geprügelt los, und der Dreck flog nach links und rechts. Ein Reiter flog gleich beim Start aus dem Sattel und das Kamel machte sich dann halt ohne Reiter gemütlich auf den Weg. Der Drittletzte, in der Mitte der Runde, verzweifelte auch ein wenig, als das Kamel sich 20m vor dem Ziel einfach hinsetzte. Somit wurde er sogar noch vom reiterlosen Kamel überholt, bevor seines sich entschied, doch bis zum Ziel zu laufen. Die Leute haben sich die Bäuche gehalten vor Lachen.

Ab dem zweiten Rennen ging das dann schon etwas besser. Es gab immer Kamele, die rannten, als wäre jemand hinter ihnen her und einige ließen sich trotz einer kleinen Peitsche des Jockeys nicht aus der Ruhe bringen. Jedes Rennen stand für sich und es gab immer einen ersten Platz. Die Jockeys waren auch keine Profis. Ein Mädchen saß oben im Sattel und fragte ängstlich, was es denn tun sollte und man riet ihr, sich schön am Sattel festzuhalten und mit der kleinen Peitsche ab und zu auf den Hintern des Kamels schlagen und dann hoffen, dass man im Ziel ankommt. In einem Rennen sahen wir auch einen Sturz, löste sich doch der Sattel ein wenig und rutschte langsam nach rechts runter. Da ist wohl jeder machtlos und der Jockey kämpfte wie ein Löwe, verlor und verabschiedete sich dann doch noch elegant 30m vor dem Ziel von seinem gelben Vierbeiner. Zwischen den Rennen wurde noch was für den Zeitvertreib geboten. So konnte bei Rikscha-Rennen applaudiert werden und die Kinder rannten mit einem Stiel inklusive Kamelkopf zwischen den Beinen um die Wette. Auch ein bekannter Didgeridoo-Spieler trat auf und begeisterte mit Musik vom traditionellen Instrument der Aboriginal. Drumherum ging es zu, wie auf dem Jahrmarkt. Viele Fress- und Souvenirbuden und andere Sachen waren aufgebaut. Das ist es hier nicht anders als bei uns. Allerdings konnten wir unseren Horizont wieder ein wenig erweitern und haben uns eine Kamelfleisch-Bratwurst geteilt. Sehr lecker. Das hatten wir vorher nicht vermutet. Wir haben uns dann noch ein paar Rennen angeschaut und der Shuttlebus brachte uns sicher wieder zu unserem Campingplatz zurück. Morgen wollen wir noch ein paar Sachen in Alice Springs erledigen. Wir brauchen noch ein paar Lebensmittel, morgens ist noch Markt in der Fußgängerzone und dann wollen wir weiter fahren in den hoffentlich etwas wärmeren Norden.