Wir sind ja hier in Milford ein bunt zusammen gewürfelter Haufen aus der ganzen Welt und es sind doch hauptsächlich junge Leute hier in Milford beschäftigt. Da wird immer ein Anlass gesucht, kräftig zu feiern. Gestern war mal wieder so ein Anlass. Wir feierten den St. Patrick’s Day. Dieser Feiertag kommt aus Irland und mir ist die Tradition leider unbekannt und auch der Sinn (außer Unmengen an Alkohol – bevorzugt Guinness-Bier – zu trinken) ist mir gestern nach der Veranstaltung immer noch verborgen geblieben. Geplant war ein Rennen von der ersten Brücke (3,7km vom Pub entfernt) bis zurück zum Pub und dann soll es ein Barbecue mit Freibier geben, welches von Real Journeys, der größten Firma am Fjord, gesponsert wurde . Barbecues sind in Neuseeland und Australien sehr beliebt und jede Woche trifft sich irgendwo hier in Milford eine größere oder kleinere Gruppe, um ein paar Fleischbatzen auf dem Grill in schwarze Klumpen zu verwandeln und mit viel TUI oder Speight’s runter zu spülen. Davon ließen wir uns nicht abschrecken und haben uns mit Oisín, unserem einzigen Iren im Team, unterhalten und er sagte uns, dass Grün getragen wird und das Kleeblatt traditionell dreiblättrig ist. Ausgestattet mit diesen Informationen haben wir unser kleines Zimmerlein durchsucht und außer einer grünen Kappe einer Duschbadflasche nichts weiter gefunden. So sind wir etwas kreativ geworden und haben aus einem alten Bettlaken für mich einen Sack genäht und Kathleen hat den mit sehr vielen Kleeblättern verziert. Die Rückenaufschrift war St. Patrick’s Day 2010 und vorn hat sie mir ICH BIN IR(R)E drauf geschrieben. Hose hatte ich keine an und es gab einige, die versucht haben, unter mein Röckchen zu schauen. Ich wurde auch gefragt, ob ich die Duschgel-Kappe verwendet habe - was ich lächelnd verneinte. Wir haben dann noch zwei Umwelt-Einkaufstaschen, die schön grasgrün sind, gefunden und Kathleen hat eine für sich als Rock und eine als Oberteil umfunktioniert. Ihr Dress kam sehr gut an und auch unser Ire hat sie für ihr Outfit gelobt. Punkt 18:00 Uhr haben wir uns dann mit einer Goldmünze (2$) als Startgeld registriert und 18:45 Uhr ging der Bus zur Brücke. Einige haben das richtig ernst genommen und bereits Tage vorher trainiert. Benannt wurde das aber als „Fun-Run“ und einige sind mit einem Eimer voller Eiswürfel und den passenden Getränkeflaschen aufgetaucht. Dann mussten wir noch auf die zweite Truppe warten und gegen 19:30 Uhr fiel der Startschuss. Eine Minute später entschied sich Kathleen, doch halbwegs ernsthaft mit zu rennen, drückte mir die Kamera in die Hand und rannte (als Einkauftstüte verkleidet) den Sportlern hinterher. Ich hatte bereits zwei Bier drin und mein Outfit ließ keine großen Schritte zu. Im Pub angekommen hörte ich, dass Kathleen den zweiten Platz bei den weiblichen Teilnehmern gemacht hat und sie hat einen Gutschein in der Milford Lodge in einem Chalet (Wert $ 225.00) gewonnen. Sie hat sich sehr gefreut, auch wenn wir noch keine Ahnung haben, was wir mit dem Preis machen wollen – wir wohnen nur 400m entfernt. Anschließend wurden noch tolle Preise wie Fallschirmspringen und eine Übernacht-Cruise am Doubtful-Sound versteigert und es wurden mit dem Startgeld zusammen 2700 NZD für die neuseeländische Brustkrebshilfe gesammelt. Alle Teilnehmer und der Veranstalter waren zufrieden und ein weiterer Tag in Milford war vorbei. Am 1. April steht ein weiteres Rennen an. Dieses Mal werden die Teilnehmer nackt durch den Homer-Tunnel rennen, der sich 19km vor Milford befindet. Ob wir da teilnehmen, wissen wir auch noch nicht genau. Aber wenn es soweit ist, werde ich ausführlich berichten.
