Die Besitzerin des Gasthauses auf Tarawa, in dem wir übernachteten, brachte uns sogar zum Flugplatz. Pünktlich 8:00 Uhr standen wir auf der Departure Seite des Terminals und wollten einchecken. Wir waren bereit für unseren „Fortgeschrittenenkurs“ in Reiseabenteuern! Bis 8:30 Uhr tat sich gar nichts. Da wir so was bereits gelesen haben, hat uns das nicht sonderlich aus der Ruhe gebracht. Irgendwann kam dann jemand und checkte die wenigen Fluggäste ein. Der Flug sollte um 9:00 Uhr auf die Insel Abaiang und dann auf Marakei gehen. Da wir die Einzigen waren, die nach Marakei wollten und auch niemand von da nach Tarawa wollte, sind die Piloten gleich Marakei angeflogen. Beim Wiegen des Gepäcks hatten wir 10kg zu viel auf der Waage. Wir hatten reichlich Wasser dabei, da wir keine Ahnung hatten, ob wir das Wasser auf Marakei trinken können oder nicht. Das Trinkwasser auf Tarawa ist nichts für meinen empfindlichen Gaumen (sehr vornehm ausgedrückt) und bei der Hitze muss man doch einiges an Wasser zu sich nehmen. Shops gibt es auf Marakei so gut wie keine und so wollten wir kein Risiko eingehen. Wir fragten nach den Preisen und wie aus der Pistole geschossen hieß es 17,20 Dollar (ca. 12,20 EUR)! Ein krummer Betrag bei glatt zehn Kilo – aber uns war es recht. Das konnte man akzeptieren. Auf der Quittung stand dann 10kg Übergepäck a 2,60 AUD macht 17,20 AUD. Warum nicht – dachten wir. Wir durften auch noch auf die Waage und unser Gewicht wurde notiert. (Ich habe auch drauf geschaut, muss ich doch in einer Apotheke einen Dollar bezahlen, wenn ich wissen will, wie schwer ich bin.) Durch die „Gepäckkontrolle“ ging es recht schnell denn unser Handgepäck wurde von einer Frau entgegengenommen, über einen Tisch geschoben und auf der anderen Seite des Tisches (dazwischen war der Personenscanner) konnten wir es wieder ungeöffnet und ungeröndgt entgegen nehmen. 9:40 Uhr hieß es dann einsteigen. Zum Glück ging nur ein Flieger, denn kein Mensch hat sich für unseren Ausweis geschweige denn die Tickets interessiert – so konnten wir keine falsche Maschine erwischen. Die Durchsagen waren, da in kiribati gesprochen, auch nicht zu verstehen. Die umgebaute Transportmaschine hatte Platz für 20 Passagiere, war aber nur halb voll. Das Gepäck wurde hinten mit einem Netz verschnürt, nur unsere Rucksäcke reisten auf der letzten Sitzbank. Aber der Flug war ohne Schwierigkeiten und schon nach 20 Minuten landeten wir auf der kleinen Piste von Marakei. Wir sind die einzigen Reisenden auf dieser Insel und werden es wahrscheinlich die ganze Woche auch bleiben. Abgeholt durch Mitarbeiter des Council Gasthauses (wir durften je bei einer Dame hinten auf dem Moped mitfahren) erreichten wir unser Ziel in wenigen Minuten. Marakei ist ein ovales Atoll, hat circa 2.100 Einwohner in acht Dörfern und einen Umfang von 40 Kilometern. Kurz nach unserer Anreise tauchte auch der Inselchef auf. Er begrüßte uns sehr freundlich und fragte uns ein wenig nach unseren Gründen des Besuches aus. Wir hatten ein angenehmes Gespräch und anschließend begann unser“ Te Katabwanin“. Gegen den Uhrzeigersinn fuhren wir mit einem eigenen Guide (wir ein Moped und er mit seinem) um die Insel und stoppten an den vier Schreinen. Da mussten wir unsere Geschenke auspacken und während der Guide die Geschenke in die Betonfigur (jede hatte ein kleines Fach in der Mitte) steckte, rief er laut ein paar Sätze auf kiribati und erklärte uns, um welchen Geist es sich hier handelt. Die Gaben waren meist von Kindern eher aus dem Schrein gezogen, eh wir unser Moped wieder anbekommen hatten, aber egal. Tradition ist Tradition. Da kann man sich nicht verwehren. Nun waren wir also den Wächtern der Insel vorgestellt und konnten uns auf der Insel frei bewegen. Welch ein Glück! Mit unserem Gasthaus (und dem einzigen der Insel) haben wir einen guten Griff gemacht. Drei Zimmer, von denen nun eins, nämlich unseres, belegt ist und einem größeren Raum wo immer Tee und Kaffee bereit steht und wir drei Mal am Tag etwas zu essen bekommen. Die drei Frauen geben sich sehr viel Mühe und kochen hervorragend. Es gibt Reis und Fisch unterschiedlich zubereitet, dazu meist Brotfrucht, die entweder in dünnen Scheiben knusprig geröstet wird und wie mehlige dicke Kartoffelchips schmeckt oder gekocht in Stücken, dann schmeckt es sehr ähnlich einer süßen aber pappigen Kartoffel. Bananen und Kokosnüsse stehen auch immer bereit. Da wir Wünsche äußern sollen, habe ich mir nur gewünscht, mal was mit Kokosnusscreme zubereitet. Heute zum Abendessen gab es gleich Krabbe mit Kokosnuss-Curry-Sauce und chinesischem Kohl serviert im Krabbenkopf. KÖSTLICH!!! Woanders eine Delikatesse, hier normales Nahrungsmittel – sagte man uns. Das Bad ist etwas sporadisch, Waschbecken ist keins vorhanden du auch kein Spiegel. Toilette und Kaltwasser-Dusche (unter der man auch die Zähne putzt) ist in einem kleinen Raum vorhanden. Strom vom Generator gibt’s immer ab 19:00 Uhr bis wir ins Bett gegangen sind und das eigentlich nur, weil es so stockdunkel ist, dass man die Hand vor Augen nicht mehr sieht. Heute morgen, nach einem Frühstück mit Bananenpfannkuchen, haben wir die Insel ein wenig zu Fuß erkundet und die Nordspitze umrundet. Ein herrlicher Strand und ganz für uns allein. Leider ist momentan tagsüber bis Nachmittag Ebbe und mit Baden müssen wir bis gegen 15:00 Uhr warten. Aber so kamen wir auch in ein Dorf, gerieten mit einem freundlichen Mann – Anterea – ins Gespräch, der uns die kleine Dorfschule im Maneaba zeigte. Er ist der zweite Dorfvorsteher und spricht ein relativ gutes Englisch. Es reichte für eine Konversation. Anterea fragte, ob wir mal Lust hätten, am Abend im Maneaba vorbei zu kommen, er wird den Dorfvorsteher fragen und uns abholen. Wir haben begeistert eingewilligt und mal sehen, ob wir noch was Interessantes geboten bekommen.
Die Tage auf Marakei verbrachten wir noch mit unterschiedlichen Aktivitäten. Faulenzen gehörte genauso dazu, wie ausgedehnte Wanderungen bei großer Hitze. Am Mittwoch hatten wir uns ein Moped gemietet, da die Insel zum Umlaufen doch ein wenig zu groß ist. So stoppten wir an verschiedenen Stränden und ließen uns den ganzen Tag Zeit, die Insel zu erkunden. Sehenswürdigkeiten hat es hier (abgesehen von den Schreinen) nicht zu bieten dafür kann man sich das Inselleben ohne touristische Verzerrungen anschauen. Die Leute sind sehr nett, wenn doch ungemein neugierig. So kommen sie aus dem Haus an die Straße gelaufen und scannen uns von oben bis unten und wieder zurück nach oben. Wir kamen uns manchmal wie Aliens vor. Kinder liefen uns hinterher und fassten uns an, nur um mal einen „I-Matang“ – einen weißen Mann an zu fassen. Nach einer Weile gewöhnt man sich aber auch daran. Der Freitag rückt nun immer näher und wir hatten noch nichts von unserer Einladung nach Antaai gehört. So machten wir uns nochmal auf den Weg und trafen auch Anterea. Wir können als seine persönlichen Gäste kommen, kein Problem. Es wird der neue Fussboden eingeweiht. Okay, warum nicht. Man soll die Feste ja so feiern wie sie fallen. Es verschob sich dann auf Samstag – uns war es recht, war es doch unser letzter Abend auf Marakei. Donnerstag und Freitag verbrachten wir mit viel Faulenzen, Lesen und solchen angenehmen Sachen. Samstag Abend machten wir uns auf Weg nach Antaai. Es war noch mal ein schöner Sonnenuntergang und die Palmen stachen als schöne Silhouette gegen den orangenen Himmel ab. Wir besuchten unseren Gastgeber zuerst in seinem Haus, sollte das Treffen doch erst 19:30 Uhr beginnen. Ein furchtbar qualmendes Stück vergammelten Holzes wurde unter unserem Sitz / unter dem Haus entzündet – hält es doch sehr wirksam die lästigen Moskitos fern. Der Beginn verzögerte sich noch etwas, da der Generator nicht so wollte, wie die Dorfbewohner. Schon allein die Atmosphäre im Dorf war herrlich. Abgesehen von kleineren Feuern vor den Hütten war es ansonsten stockdunkel und sehr ruhig. Hier und da roch es nach gebratenem Fisch, kleinere und große Gestalten sowie Hunde huschten umher. Als das Licht im Maneaba dann brannte, nahmen alle Männer (und zwei deutsche Besucher) des Dorfes in einem großen Kreis Platz. Nach einer allgemeinen Begrüßung durch den Dorfvorsteher wurde die Dorfhymne gesungen. Durch die Bauweise des Maneabas war die Akustik sehr gut und das Stück klang recht melodisch, da sogar mehrstimmig gesungen wurde. Noch ein Ständchen von der Singgruppe des Dorfes und wir waren dran uns kurz vorzustellen. Nach dem gemeinsamen Abendessen mit Kokosnuss und süßem Palmsirup wurden noch verschiedene wichtige Dinge besprochen und 21:00 Uhr war der offizielle Teil beendet und der Tanz begann. So wunderte es uns im Nachhinein nicht, dass wir sofort aufgefordert wurden und die ersten beiden Runden an uns und unseren Tanzpartnern gingen. Einigen jungen Damen und Herren von Antaai war deutlich anzumerken, dass sie ein wenig traurig waren, dass wir nicht als zwei Singles auf ihre Insel kamen. So hatten wir noch viel Spaß beim Tanzen und Fotografieren und ein unvergesslicher Abend ganz allein als I-Matang unter I-Kiribati in einem Dorf auf einer Insel weit weg von Fortschritt und Zivilisation war zu Ende. Ein Moped für unseren Heimweg wurde auch noch organisiert und mit dem Versprechen, die Fotos zu schicken, wurden wir entlassen. Wir spendeten noch 20 AUD in die Gemeinschaftskasse des Dorfes was mit einem dreifachen Händeklatschen gewürdigt wurde. Am nächsten Morgen, also heute, verließen wir Marakei wieder in Richtung Tarawa. Wir haben viele nette Menschen getroffen und mit ihnen eine schöne Woche auf einem Inselparadies verbracht. Wir hoffen, das der weitere Teil der Reise auch so kulturell interessant bleibt.
