Samstag, 6. November 2010

Tarawa

Am ersten Morgen auf Tarawa standen wir sehr früh auf. Es war schnell heiß und nach einem Frühstück besuchten wir Linda Uaan. Sie sagte uns, wo wir unsere Tickets für den Flug mit Air Kiribati nach Marakei buchen können und gab uns noch ein paar Tipps für die Insel mit. Es ist eine besondere Insel, auf der die Frauen das Sagen haben. Dazu gibt es auch 4 Schreine auf der Insel, die wir gleich am Anreisetag alle besuchen müssen – in Richtung gegen dem Uhrzeiger. Somit können uns die Geisterwächter der Insel kennen lernen und uns droht dann kein Unglück. Naja, wenn es Brauch und Sitte ist, dann machen wir das natürlich. Diese Tradition, der sich JEDER ERSTE Besucher unterziehen muss, nennt sich „Te Katabwanin“. Man muss für jeden Schrein ein kleines Präsent mitbringen – Tabaksticks und Süßigkeiten. Da werden wir uns wohl nicht übernehmen. Die Flugbuchung war etwas eigenartig. Wir haben gezahlt, gebucht und ein handgeschriebenes Ticket bekommen. Wir mussten trotzdem am nächsten Tag wieder in die Stadt fahren und unseren Flug rückbestätigen – bis vor 10 Uhr morgens. Wir sagten, wir wollen sicher fliegen – egal, morgen bis 10 Uhr noch mal rückbestätigen. Wir also am nächsten Tag wieder hin und wir sagten, wir möchten unseren Flug rückbestätigen. Die nette Dame kontrolliert unsere Tickets, sagte „okay“ und wir durften wieder gehen. So nutzten wir die Chance uns in Bairiki (der Hauptstadt des Landes) umzuschauen. Hier sah es auch nicht viel besser aus als in den Dörfern entlang der Straße. Nun musste noch die Unterkunft bestätigt werden, aber das war kein Problem – wir werden wohl die einzigen Reisenden auf dieser Insel sein. (Reisende – ich benutze dieses Wort bewusst, da das örtliche Tourismusbüro mit dem Slogan wirbt: „Kiribati – for travellers. Not tourists.“ Auf deutsch: Kiribati – für Reisende, nicht für Touristen.) Wir machten uns nur ein wenig Sorgen, hat das Gästehaus doch nur 3 Zimmer. Aber es soll wohl klappen. Am Freitag stand der Ort Betio, der sich ganz am untersten Zipfel des gespiegelten Ls befindet, auf dem Programm. Vorher sind wir noch in das einzige Hotel des Landes gefahren, um eine Tour, die auf eine Insel Nord-Tarawas gehen soll, zu buchen. Betio ist aber eine riesige Enttäuschung gewesen. Hoffnungslos überbevölkert und schmutzig. Wir schauten uns erst ein paar Reste vom Pazifikkrieg 1943 an. Es stehen noch ein paar Geschütze rum, die langsam aber stetig vor sich hin rosten. An der Spitze des Landzipfels liegen Unmengen an Müll an einem ansonsten wunderschönen Strand. Es war furchtbar. Weiter draußen dümpeln und rosten viele Schiffe und Fähren vor sich hin. Nächste Woche findet in Kiribati auf Tarawa eine Klimakonferenz mit über 200 internationalen Gästen statt. Ich glaube, dass da einige denken, man müsste erst mal vor der eigenen Haustür kehren… Wir kauften nur noch etwas ein und verließen Betio recht zügig. Nachmittags schauten wir uns noch eine Fischzuchtstation, unterstützt von der taiwanischen Regierung, und gleich nebenan das Parlamentsgebäude an. Es gab keine Kontrolle und kein Mensch war zu sehen und auch während wir über das Gelände liefen, interessierte sich niemand für uns. Wir stiegen noch auf den Funkturm und genossen die Aussicht von oben. Heute, am Samstag, war dann die Tour nach Biketawa mit dem Otintaai-Hotel geplant. Mit argen Startschwierigkeiten – das zu erklären wäre hier zu kompliziert – machten wir uns mit zwei Stunden Verspätung auf nach Biketawa. Ungefähr gelegen auf der Mitte der langen Seite des gespiegelten L. Eine dreiviertel Stunde Fahrt über die schillernde Lagune war schon allein ein schönes Erlebnis. Angekommen, gab es erst mal frische Kokosnuss direkt von der Palme. Lecker. Begleitet wurden wir (wir waren die einzigen auf der Tour) von sage und schreibe drei Mitarbeitern des Hotels, einem Rezeptionisten, einer Kellnerin und der Marketing-Managerin plus dem Bootsbesitzer gleichzeitig Skipper. Dann haben wir uns eine Weile mit der Marketing-Dame unterhalten und wir konnten sie über Land und Leute ausquetschen, sie hat alles beantwortet. Nach einem langen Spaziergang um die Insel und einem herrlichen Bad (das Wasser hat um die 30 Grad) machten wir uns auf den Rückweg. Unterwegs hielten wir noch an einer kaputten Brücke – einer Verbindung zwischen den Inseln. Da war noch mal kräftig Baden angesagt und so sprangen wir zwei munter mit drei Hotelangestellten von der Brücke und hatten reichlich Spaß. Durchgebrochen (Rost) vor fünf Jahren – seit dem passiert da nichts. Da müssen die Leute halt das Boot nehmen. Die Rückfahrt war noch sehr lustig, durch die Flut war das Wasser ein wenig wellig und die kleine Nussschale war recht schnell und so bestand die Fahrt eigentlich nur aus einer warmen Dusche. Wir waren alle komplett durchgeweicht und haben uns darüber kaputt gelacht. Nun ist Kathleen gerade am Tasche packen, geht doch morgen unser kleiner Flieger nach Marakei (15 Minuten Flug). Wir sind schon sehr gespannt, soll man doch hervorragend schnorcheln und schwimmen können. Zudem hatten wir uns vorgenommen, mit den Einheimischen vielleicht mal zum Fischen zu gehen oder einfach nur zu entspannen und die Insel genießen. Wir freuen uns drauf.