Irgendwie bin ich wohl nicht zum Blogschreiben gekommen. Asche auf mein Haupt. Ich gebe zu, ich war ein bisschen faul, hatte mir eigentlich ein wenig mehr in den vier Wochen in Sachsen vorgenommen. Die Hochzeit meines Bruders im eiskalten Finnland mit bis zu -24 Grad war ein separates Ereignis. Schön, aber es gehört hier nicht her. Ein familiärer Trauerfall hat dann auch noch ein paar Tage der schon knapp bemessenen Zeit in Anspruch genommen und irgendwie hat es dann mit dem Schreiben nicht so sein wollen. Besucht man nach 18 Monaten erst mal alle Familienmitglieder und man hat halt viel zu erzählen. Aber nun sitzen wir bereits wieder meilenweit von Deutschland entfernt momentan am Strand, oder besser gesagt was davon noch übrig ist und jetzt habe ich doch mal Zeit ein wenig zu schreiben. Die ersten drei Wochen in Vietnam sind nun schon rum und wir haben doch eine Menge erlebt und wegen dem bisher arg schlechten Wetters nicht erlebt. Der Beginn in Hanoi war lustig, bereits am ersten Abend landeten wir, vom Hunger geplagt, in einem absoluten vietnamesischen Restaurant. In einem Haus, wo man sich im Hinterhof eine schmale Wendeltreppe nach oben schob. Es gab heißen Topf, eine Brühe auf einer Gasflamme, in dem man alles selber kochen konnte. Mit viel Gemüse, Nudeln und Fleisch, Huhn samt Fuß und Kopf. Die beiden Teile haben wir doch großzügig beiseite gelegt. Aber Hanoi war doch recht lustig, eine Rikschafahrt durch die Altstadt und ein Besuch des Wasserpuppentheaters hielten uns beschäftigt und wir buchten eine 3-Tagestour in die Halong-Bucht. Eine lange Fahrt im Bus und rauf aufs Boot tuckerten wir durch die wolkenverhangene Bucht, die aber sehr mystisch wirkte. Abends wurden wir auf der Insel Cat Ba ausgeladen und durften ins Hotel einziehen. Am nächsten Tag stand Wandern im Nationalpark auf dem Programm und noch ein wenig Freizeit in Cat Ba. Irgendwann kurz vorm Dunkelwerden waren wir wieder auf dem Boot und genossen einen schönen Abend mit herrlichem Dinner an Bord der Dschunke. Die Nacht war dann nicht so schön, schliefen wir mit vibrierendem Bett über dem Generator und die Abgase stiegen in unsere Kajüte und nach Brechreizen und konfusem Herzen (kein Witz!!!) und massiver Beschwerde beim Kapitän wurde das Ding 2:00 Uhr ausgemacht. Morgens mussten wir gleich zurück, da ein Unwetter aufziehen sollte. Zurück in Hanoi buchten wir Zugtickets nach Sapa ins nördliche Bergland. Die Nachtfahrt im Schlafwagen war schon ein Abenteuer für sich, aber in Sapa hatten wir mal wieder Pech. Nebel mit Sichtweite von 50m ließen selbst das Erahnen der berühmten Reisterrassen nicht zu. Wir gönnten uns aus Frust ein super leckeres BBQ-Buffet mit Unmengen leckerem Fleisch für 6,60 EUR pro Person. Weiter ging‘s nach Bac Ha zum Sonntagsmarkt, wo man viele Einheimische der Minderheiten sehen konnte. Das Wetter war ein wenig besser und ein Spaziergang machte doch ein wenig mehr Spaß als in Sapa. Wir verbrachten dann noch eine Nacht in Hanoi und planten die Weiterfahrt in Richtung Süden. Der Regen hatte sich arg festgesetzt und so ging es schnell nach Dong Hoi, wo wir eine herrliche Tour in den Phong Nha Nationalpark unternahmen. Das Wetter besserte sich, wir buchten ein Taxi für den ganzen Tag und mit einem anderen deutschen Pärchen (zur Kostenminimierung) schauten wir uns die wunderschöne Tien Son Höhle und die Phong Nha Höhle an. Der Höhepunkt des Tages war eindeutig die wunderschöne Paradieshöhle, 20km von den anderen Höhlen entfernt. Die nächste große Stadt war Hue, in der wir uns ein Moped mieteten und die Gegend der alten Kaiserstadt erkundeten. Endlich mal ein sonniger Tag fuhren wir bis auf eine vorgelagerte Insel an den Strand. Dorthin verirren sich anscheinend keine Touristen mehr, so wie wir angeschaut wurden. Das Moped wollte mit einem Male nicht mehr aber uns wurde schnell geholfen. Der Mechaniker arbeitete 45 Minuten und nach Zahlung von 1,00 EUR durften wir weiter fahren. Der Luftfilter war verdreckt und die Leistung auf 0 geschrumpft. Der Zug brachte uns weiter nach Da Nang und der Bus nach Hoi An und dort war für die Mitreisenden Endstation. In Hoi An mieteten wir uns nochmal ein Moped, um die kurz vor Da Nang gelegenen Marmorberge zu besichtigen. Das Wetter war stabil und so war das ein toller Ausflug. Kurz vor der Rückfahrt streikte mein Moped. Der Luftfilter war verdreckt und der Mechaniker bastelte eine knappe halbe Stunde und wir zahlten – nein, keinen Euro. Wir waren in einer Touristenstadt! Wir handelten von 6,70 EUR auf 5,- EUR und durften weiter fahren. Die Miete war übrigens bei beiden Mopeds 4,30 EUR am Tag! Aber so erlebt man es weltweit wenn man in Touristengegenden, oder eben nicht, unterwegs ist. In Hoi An, einer Stadt mit einem entzückenden Altstadtkern, ließen wir uns noch Hemden für die Arbeit auf dem Leib schneidern. Wenn man sich für 11 EUR Stoff und Schnitt heraussuchen kann und die Dinger perfekt passen, muss man nicht lange überlegen. Hoi An verließen wir in Richtung Nha Trang (10 Stunden Bahn fahren – 273.000 Dong – 9,10 EUR) und fanden noch abends ein perfektes Hotel. Familiär, perfekt sauber, ruhig gelegen, gratis W-LAN und mit 6 EUR /Doppelzimmer sehr günstig. Am ersten Tag bummelten wir durch Nha Trang und für den zweiten ließen wir es uns in den heißen Quellen am Stadtrand mit Baden, 45-Minuten Massage und Dampfbad gut gehen. Das Wetter trieb uns heute südlicher und eigentlich wollten wir in Phan Rang bleiben, aber wir sahen einen Bus nach Ca Na und sind spontan eingestiegen. Hier in Ca Na waren wir vor knapp 5 Jahren schon einmal. Die Bungalows sind aber total heruntergekommen und der Strand ist einfach weg. Große Steine und wohl ein erhöhter Wasserspiegel machen den Ort reizlos. Wir checkten nebenan in ein sauberes Motel ein – hier haben wir damals einen Kaffee getrunken – und spazierten heute ein wenig durch den trostlosen südlichen Teil des Ortes. Verlassene Hotelanlagen, riesige Restaurants in denen kein Mensch sitzt und die Kellner rum lümmeln und warten sowie eine neue Baustelle eines neuen Resorts lassen einen den Kopf schütteln. Morgen gehen wir mal in den Hauptteil des Dorfes und ansonsten heißt es mal: Seele baumeln lassen und die Wetterfront aussitzen, bevor es nach Dalat ins Bergland geht. Dalat ist laut Reiseführer die exotischste Stadt in Vietnam im französischem Design außerhalb des normalen vietnamesischen Städte-Einheitslook. Mal schauen, wie es da so geworden ist.
