Samstag, 12. Dezember 2009

Shopping

Es stehen mal wieder die freien Tage vor der Tür – unglaublich, wie schnell doch die Zeit vergeht. Wieder 10 Tage rum. Es ist doch so einiges passiert in der letzten Zeit. Milford als Ort ist sehr klein, deswegen geschieht hier nichts, was keiner mitbekommt. So war es dann auch nicht weiter verwunderlich, dass man nach einem Tag bereits wusste, wer denn die Küche ausgeraubt hatte. Seine Freundin und ein paar andere Leute haben es bei der Polizei zugegeben. Und das Schlimme ist, der Typ hat hier über ein Jahr für die Company gearbeitet – in einer mittleren Leitungsposition. Er war der Barchef von unserem einzigen Pub hier. Sachen gibt es… Aber es geschehen auch andere Sachen. Erst vor ein paar Tagen habe ich auf einer Rundfahrt ein Crew-Mitglied (Australier) der TV-Show: „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ kennengelernt. Er hat mir so einige Sachen rund um die Show erzählt. War doch ein ziemlich interessantes Gespräch. Oder wusstet Ihr, dass an dieser Show permanent 350 Crew-Mitglieder arbeiten (in der englischen Version sogar 500)? Sonst redet man so mit dem einem oder dem anderen mal ein paar Worte, neulich hatte Kathleen Gäste aus Radebeul, und so schippert man Tag für Tag halt mehrmals über den Fjord. Vorgestern war ich das erste Mal für die Bar auf der „Pride“ zuständig. Ich war gerade dabei, die Kaffeestation aufzufüllen, als ein deutsches Ehepaar (ca. 60 Jahre alt) neben mir stand. Sie sagte: „Ich habe etwas Hunger!“ Er antwortete: „Lass uns doch mal schauen, was sie hier an der Bar zu essen anbieten.“ Sie (mit einem etwas verächtlichen Tonfall): „Auf diese komischen Sandwiches habe ich keine Lust.“ Darauf hin ich (in deutsch): „Das ist aber schade. Unsere Crew gibt sich jeden morgen viel Mühe und bereitet die Sandwiches hier auf diesem Schiff frisch für Sie zu. Die mit Schinken und Käse habe ich gemacht und die mit Hühnchen sind noch keine 30 Minuten alt, da ich schon nachbestellen musste.“ Kennt Ihr den Ausdruck – gucken wie ‚ne Kuh wenn es blitzt? Es war köstlich. Sie haben 2 Sandwiches und einen Apfelsaft gekauft!
Ich hatte übrigens am Donnerstag die 100. Rundfahrt. Kathleen ist schon etwas weiter (108) und unsere Kollegen lachen immer, wenn wir sagen, dass wir einen Wettkampf haben, wer den die meisten Rundfahrten am 30.04.2010 aufweisen kann. Heute ist Kathleen für einen Kollegen zusätzlich arbeiten und morgen werde ich eine Schicht von einem Kollegen übernehmen. Somit mehr Geld für uns. Nachdem ich meine letzte Cruise morgen fertig habe, werden wir gleich in den Bus steigen und in Richtung Queenstown düsen. Wir haben beim letzten Mal gesehen, dass es im Kathmandu-Shop „Christmas Sale“ hat. Da sind die Preise um bis zu 60% gesenkt. Kathmandu ist eine hervorragender Ausstatter von Outdoor-Sachen, wie Rucksäcke, Regenjacken, Schlafsäcke, einfach alles, was sich in der Natur abspielt und mit Wandern oder Campen zu tun hat. Die Qualität ist super, der Preis leider auch. So werden wir den „Weihnachtsverkauf“ nutzen. Wir wollen uns beide eine Regenjacke zulegen und einen neuen großen Travel-Rucksack. Unser alter von Aldi hat ein paar Jahre gehalten, aber fängt auch an, sich in seine Einzelteile aufzulösen. Spaßeshalber sagt man hier so, dass „waterproof“, also wasserdicht, nicht das gleiche ist wie „Milfordproof“! Ich hatte einen Tag eine Regenjacke aus Gummi an. Selbst die war komplett durch, wie ein Aufwaschlappen. Es hatte in zwei Tagen 140mm Regen gegeben. Die Schicht Regenwasser, die sich an solchen Tagen auf das Salzwasser des Fjords legt, war ganze 10 Meter dick. Wir hatten letzte Woche sieben Tage keinen Regen. Das Wasser hatte einen grünlichen Schimmer und war glasklar. Wunderschön. Als dann der Regen kam, konnte man oft eine klare Linie am Rande des Fjords vom Frischwasser zum Regenwasser erkennen. Einen Tag später war das gesamte Fjord mit einer dunkelbraunen Wasserfarbe durchzogen und man sah keinen cm unter Wasser. Es waren auch wirklich schöne Tage letzte Woche. Gestern sah man auch wieder mal ein Kreuzfahrtschiff im Fjord. Letztes Jahr gab es hier 72 und diese Saison sind bisher vier Schiffe da gewesen. Es ist doch recht witzig zu sehen, wenn man die Schiffe von weitem im Fjord sieht, neben Bergen, die fast bis 2000m direkt von der Wasseroberfläche in den Himmel steigen, sehen sie klein aus. Ist man aber mit seinem eigenen Schiff in der Nähe, sind es Giganten, die bis 5000 Passagiere an Bord haben und man muss den Kopf weit in den Nacken legen, um die Spitze zu sehen. Und hier sind alle bekannten Kreuzfahrtschiffe vertreten. Wenn so ein großes Schiff hier zum schauen reinfährt (selten mit Anlandung – geht in dem kleinen Hafen schlecht) sind durchaus 40.000 NZ-$ Gebühren fällig. Diese gehen zu 100% an das DOC – die Umweltbehörde. Die Pinguine haben sich übrigens verabschiedet. Die Kinderlein konnten alle schwimmen und ich habe von Kollegen vom „großen Run“ gehört, wo über 30 Pinguine aus dem Busch kamen und in Wasser gehüpft sind. Somit war uns klar, dass jetzt Abschiedszeit ist. Unserer Weka-Familie hier an der Unterkunft geht es auch sehr gut. Man hat sie bis vor kurzem noch zu sechst spazieren gehen sehen, aber ein Skipper meinte, dass es bald großes Geschrei geben wird, wenn die Mama ihre Jungen rausschmeißt. So ist das halt in der Natur und wir sind sehr glücklich, das Ganze mit erleben zu dürfen. Wünsche Euch einen schönen 3. Advent.