Dienstag, 20. April 2010

Die letzten freien Tage

Die letzte Arbeitswoche war für alle in Milford ein wenig aufregend. Nicht dass irgend etwas Wichtiges passiert wäre, aber am Samstag, den 17.04., stand das Großereignis in Milford auf dem Programm - der Abschlussball. Mit dem Ball wird das Ende der Sommersaison gefeiert und wirklich jeder aus der Tourismusbranche von Milford – somit abgesehen von den hiesigen Fischern – nehmen an dem Ball teil. (Der Ball fand dieses Jahr nicht am 30.04. statt – wie sonst üblich – sondern eher, da die Mitarbeiter der Mitre Peak Lodge ebenfalls teilnehmen wollten. Die Mitre Peak Lodge ist die letzte Station der Wanderer des Milford Tracks von Te Anau nach Milford und ist für den normalen Reisenden als Unterkunft nicht möglich zu buchen. Da die Track-Walker Saison eine Woche eher endet, entschied man sich zu Gunsten der Mitarbeiter, den Ball zwei Wochen vor zu legen.) Besonders die weiblichen Mitarbeiter waren etwas aufgeregt und es stellte sich die übliche Frage: „Was ziehe ich nur an?“ Hier waren die Kiwis etwas im Vorteil. Sind doch manche mit dem Auto hier und haben so genügend Klamotten dabei. Wir Traveller sind da etwas im Nachteil und haben im Kopf immer nur die magischen 20kg Gepäck, die man üblicherweise bei einer Airline mit sich rum schleppen darf. So wurde halt geliehen, was das Zeug hält und Kathleen hatte Klamotten von drei verschiedenen Kollegen an. Ich hatte zum Glück noch ein Hemd und eine Krawatte übrig behalten und eine halbwegs ordentliche Jeans mit schicken Schuhen rundeten mein Outfit ab. Am Samstag war unser eigentlicher freier Tag Nummer eins, aber ich habe eine Vertretung übernommen und Kathleen hat sich kurz entschlossen dem Dekorationsteam angeschlossen und bis in den späten Nachmittag gemalt, geklebt und weiß der Geier was noch getan werden musste, getan. Pünktlich sieben Uhr am Abend sind wir in die Lodge gegangen, wo ein Sektempfang mit vielen verschiedenen kleinen Snacks und Dips vorbereitet war. Die Firma „Magic Memories“, die immer die Gäste vor der Cruise fotografiert und anschließend die Fotos in einer schönen Mappe verkauft, sind generell für die Fotografie in Milford zuständig. So wurde jeder – oder jedes Paar – zu Beginn fotografiert und auch ein Foto mit der gesamten Sommer-Crew 2009/2010 wurde gemacht. Anschließend wurden die Türen zum großen Saal geöffnet und ein riesiges, super leckeres Buffet wurde von den ca. 170 Gästen geplündert. Zu trinken gab es auch reichlich und eine Live-Band spielte bis weit in die Nacht. Wir sind nicht bis zum Ende geblieben, da wir beide am nächsten Tag von Kollegen eine Schicht übernommen hatten, die sich gern ganz dem Gratis-Alkohol und der Party hingeben wollten. Diese Entscheidung haben wir morgens in der ersten Stunde bitter bereut, aber egal. Nach einer ausgiebigen Dusche und einem extra starken Kaffee fühlte man sich dann schon besser. Im Englischen wird der Begriff „Hangover“ benutzt. Dieser Begriff stand aber ALLEN Kollegen am Morgen auf die Stirn geschrieben und so mussten wir uns nicht schämen…
Aber am Montag konnten wir ausschlafen, das Wetter war hervorragend und wir wollten die letzten zwei freien Tage am Milford Sound noch mal genießen. Da uns nochmal 10 Arbeitstage (bei mir vielleicht 12) vor der Tür stehen, nach 13 am Stück geleisteten, war Ausruhen angesagt. Da ich gern noch mal eine Cruise genießen wollte, sind wir am Mittag mit der „Lady Bowen“ die Encounter-Cruise gefahren. Hier hat man etwas mehr Zeit als auf der normalen Rundfahrt und ein Naturführer erklärt die ganze Zeit alles, was es zum Milford Sound zu erzählen gibt. (Lieber Markus und Töppi: Das war das Boot, mit dem auch Ihr vor 2,5 Jahren durch das Fjord gekurvt seid.) Da wir beide nie auf diesem Boot gearbeitet haben und mal nicht für Tische, Kaffeestation & Co. zuständig waren, konnten wir die Cruise von Anfang bis Ende richtig genießen. Wir haben Foto- und Videokamera noch mal ein wenig strapaziert und sind auch im Milford Unterwasserobservatorium ausgestiegen um uns die neuen Informationswände, die letzte Woche angeliefert worden sind, zu betrachten. Heute steht noch mal Waschen und Zimmerreinigung auf dem Programm bevor morgen die letzte Arbeitsperiode beginnt. Der Countdown läuft. Eine Unterkunft in Sydney haben wir auch gefunden – es wird das „The Palms Backpackers“ in Kings Cross / Potts Point – gleich in der Nähe, wo damals unser Abenteuer im Jahr 2000 begonnen hat und wo wir 8 Monate gewohnt haben. Unsere Freunde freuen sich schon auf uns.
Noch 14 Tage bis zum Abflug.