Dienstag, 27. April 2010

Mal wieder – Milford war abgeschnitten

Am letzten Sonntag war es mal wieder so weit. Ich habe Dienst auf der „Lady of the Sounds“ geschoben und unsere erste Cruise um 09:00 Uhr startete pünktlich. Bereits kurz nach dem Hafen begann das große Schaukeln, denn es regnete mal wieder, was der Himmel her gab. 40cm in 2 Tagen. Der Arthur-Fluss schiebt sich dann mit einer gewaltigen Strömung kurz hinter dem Hafen von links in den Fjord und erzeugt ziemliche Wellen. Hinzu kam heftiger Sturm und dicke Wolken bis Nebel. Zu sehen gab es eigentlich nichts, aber die Touristen wollen halt auf Krampf eine Cruise erzwingen. Der Reiseplan ist halt eng gestrickt und wenn man bis nach Milford kommt soll es sich halt auch lohnen. Nach 30 Minuten sind wir aus Sicherheitsgründen umgedreht, da auch bereits die brauen Beutel mit dem Klebeverschluss die Runde gemacht haben. Es hatte keinen Sinn, weiter zu fahren. Die anderen Cruises wurden auch gleich storniert und eine halbe Stunde später kam die Nachricht: „Die Straße ist gesperrt wegen Überflutung.“ Nachmittags ging dann noch ein Konvoi aus Milford raus und hat die gestrandeten Touristen rausgebracht. Wir haben derweil wieder mal die Zeit genutzt, die Boote zu reinigen. Am Montag gab es dann noch keine besseren Nachrichten und so durften wir unsere Küche, TV Raum, Flurgänge und sonstigen Kram reinigen – als bezahlte Arbeitszeit. Später haben wir uns, wie es bei einer geschlossenen Straße üblich ist, alle im Café zum Mittagessen getroffen und da wurde die Straße wieder geöffnet. Nachmittags ist dann noch eine Cruise gefahren, aber wir hatten was Anderes vor. Ein Freund, seit zwei Jahren in Milford, hatte bereits seit mehreren Tagen um seinen Urlaub gebangt. Drei Wochen Deutschland Heimaturlaub waren geplant und die Aschewolke ließ ihn lange um seinen Flug bangen. Als er dann seinen Flug bestätigt bekam, währte die Freude nur von kurzer Dauer, denn die Straße war ja zu. So haben wir uns entschlossen, ihn nach Te Anau zu bringen, wo er vielleicht weiter kommt obwohl wir am nächsten Tag wieder arbeiten müssen. Abfahrt um 13:30 Uhr in Milford sind wir gut nach Te Anau durch gekommen. Das Wasser stand auf einigen Stellen auf der Straße, aber wenn man langsam durchfuhr, war es zu schaffen. In Te Anau erwartete uns die nächste Nachricht, dass die Straße bis Queenstown, wo sein Flug starten sollte, ebenfalls geschlossen sei. Es funktionierte kein Telefonnetz und Handynetz , man hatte kaum Chancen an Bargeld zu kommen und mit Karte zahlen konnte man auch nirgends. Man hat uns ein Bild von einer ausgewaschenen Brücke gezeigt. Es war wie in einem schlechten Film. Frank meinte so, es gibt wohl einen, der nicht möchte, dass ich nach Deutschland fliege.
Laut Polizei gäbe es aber die Möglichkeit, über einen Umweg nach Queenstown zu fahren. Also haben wir das auch gemacht und sind kurz nach 19:30 Uhr in Queenstown angekommen und haben Frank in seinem Hotel abgeliefert. Der Rückweg hat bis Te Anau reibungslos funktioniert (Ankunft 22:30 Uhr) und in Te Anau die große Überraschung: „Die Straße nach Milford ist geschlossen.“ Wir haben es nicht glauben können, da der Regen aufgehört hatte. Also haben wir uns entschlossen, doch zu fahren, denn wir vermuteten, man wollte nur die Touristen abschrecken, da es kaum Unterkünfte in Milford gibt. Leider haben wir uns geirrt. Mitternacht – und genau 44 km vor Milford war dann endgültig Schluss. Eine Baumaschine stand quer auf einer Brücke und blockierte den Weg. Dahinter hatte sich der Cascade Creek – eigentlich ein kleiner Fluss – seinen Weg über die Straße gebahnt und Steine und Schlamm lagen auf 20m Länge auf der Straße. Also mussten wir die 76 km nach Te Anau zurück und haben uns in ein Hostel einquartiert. 01:30 Uhr fielen wir todmüde ins Bett. Am nächsten Morgen haben wir in unserem Büro in Te Anau bis 10:30 Uhr rumgegammelt, bis die erlösende Nachricht kam: „Straße ab 11:00 Uhr wieder geöffnet!“. Noch drei Kollegen aufgegabelt, die seit zwei Tagen in Te Anau fest steckten und ab nach Milford, wo wir 12:30 und nach ca. 800km wieder heil angekommen sind. 13:30 Uhr haben wir dann schon wieder die erste Cruise gemacht und wurden mit einem wunderschönen Regenbogen über dem Fjord belohnt.
Noch 7 Tage bis zum Abflug.