Die ersten beiden Tage am Ha’atafu Beach waren von starkem Regen geprägt. Aber es ist Regenzeit, da kann sowas immer mal passieren. So waren die beiden Tage recht ruhig abgesehen von einem schönen Abend im Nachbarresort Liku’alofa, was „Strand der Liebe“ bedeutet. Das Tongaische Essen war ein Traum. Selbst der rohe Fisch in Kokosnussmarinade hat mir sehr gut geschmeckt. Die Tanzshow war auch atemberaubend, waren doch in der Gruppe Tänzer von Tonga, Fidschi, Samoa, Hawaii und Tahiti. Somit war das Programm bunt gemischt und wir hatten einen schönen Abend. An einem anderen Tag sind wir noch an die Nordspitze gelaufen und haben die unglaubliche Vegetation mit den Blüten genossen. Im Norden erinnert ein Denkmal an den Tag, als 1643 der Holländer Abel Tasman Tonga mit seinem Schiff ansteuerte. Später kam dann James Cook, der den Inseln den Namen „Friendly Islands“ gab – die freundlichen Inseln. Es ist aber hier auch wirklich so. Die Menschen sind sehr freundlich, hilfsbereit und großzügig. So ist es normal, wenn der Nachbar die Stromrechnung nicht bezahlen kann, diese zu übernehmen, falls es einem selbst irgendwie möglich ist. Die Menschen an sich sind recht arm und der Verdienst sehr gering. (ca. 35 EUR/Woche). Jede Familie hat mindestens ein Mitglied, welches Übersee wohnt und wöchentlich eine nicht geringe Summe nach Hause schickt. Anders könnte man auf den Inseln hier nicht leben. Ein Liter H-Milch kostet 1,40 EUR! Allerdings sind die Tongaer fleißige Selbstversorger und bauen auf ihren Grundstücken viele verschiedene Sachen an. Am Sonntag ist in Tonga genereller Ruhetag. Abgesehen von den Hotels hat nichts auf. Tankstellen, Restaurants – egal was – alles zu! Sonntag ist Ruhetag. Es fährt auch kein Bus. Auch in der Woche nach 17:00 Uhr nicht mehr. Denn da haben ja alle bereits Feierabend. Da wir am Samstagabend aber in die 20km entfernte Stadt zu einem Freiluftkonzert wollten, blieb uns nichts anderes übrig, als uns an die Straße zu stellen und den Daumen in den Wind zu halten. Kurze Zeit später fanden wir uns auf der Ladefläche eines LKW wieder, der uns mit in die Stadt nahm. Das Konzert war gut besucht, sogar der König war anwesend. König George Tupou V. Ein Kuppelzelt mit einer Krone oben drauf und freie Sicht auf die Bühne nahm er am ersten Teil des Konzertes teil. Wir fanden nur das Programm ein wenig merkwürdig, reihten sich doch eine Hip-Hop Tanzshow, ein Kinderchor, das Lied „Time to say Goodbye“, Stille Nacht – heilige Nacht, ein Tongaisches Liebeslied und ein Lied aus der Oper Carmen in eben dieser Reihenfolge aneinander! Wir sind nach dem ersten Teil auch gegangen, versuchten wieder zu trampen aber hatten im Dunkeln kein Glück. Da wir blöderweise unseren Umzug in die Stadt an einem Sonntag geplant hatten, mussten wir noch ein Taxi mit Sonntagslizenz finden. Sonntag in der Stadt angekommen, zeigte uns unser Host auch deutlich, dass eine Anreise nicht sehr willkommen war. Somit reduzierten wir die neun Nächte auf zwei und suchten uns am Montag ein neues B&B nah der Innenstadt von Nuku’alofa. Touristisch ist hier noch nicht viel los. Es gibt zum Beispiel noch kein einziges Kettenhotel oder -resort. Alles ist in privater Hand, was uns aber nicht stört. Unser B&B (Bed & Breakfast) liegt am Hafen und zumindest haben wir uns soweit verbessert, dass wir mal 7 Tage gratis Internet haben. Es ist in Tonga zwar sehr langsam (256kb/s) aber wenigstens kann man mal was nachlesen. Unser Host erzählte uns, dass ein 1.000kb/s Internetanschluss im Monat umgerechnet 1.200 EUR kostet. Das leisten sich nur große Firmen. Am Dienstag, haben wir erst mal die kleine und sehr übersichtliche Hauptstadt Nuku’alofa durchkämmt. Viel zu sehen gibt es nicht, nur der Königspalast ist was fürs Auge. Bei einer Bankfiliale habe ich mir meine Münzen und ein paar kleine Geldscheine besorgt. Im normalen Leben bekommt man nur sehr stark abgenutzte Scheine (abgesehen vom Geldautomaten am ersten Tag, aber 50 Pa‘anga sind doch etwas zu teuer zum Sammeln…) und die nette Kassiererin hatte wohl Verständnis für mein Hobby und suchte in einer Seelenruhe die frischesten Münzen und Scheine heraus, die sie finden konnte. Ich war wunschlos glücklich. Direkt am Hafen liegt das International Dateline Hotel. Tonga liegt ja eigentlich auf dem 175. Breitengrad westl. Breite und müsste somit eines der letzten Staaten sein, die den Tag verabschieden. Der König beschloss aber, das Tonga sich vor der Datumsgrenze eingliedert und kann somit werben, „Tonga – wo die Zeit beginnt!“ Würde ja auch besser klingen als beispielsweise „Tonga – Schlusslicht des Tages!“ Aber der König hat noch mehr tolle Sachen vollbracht. Es lohnt sich, mal auf Wikipedia im Artikel über Tonga, sich den Abschnitt „wirtschaftliche Situation“ durchzulesen. Ich habe mich herzlichst amüsiert. Nach unserem Marsch durch die Stadt saßen wir in unserer Unterkunft und hörten von nebenan Kirchengesänge. Wir haben schon vorher die Menschen dahin strömen sehen und haben uns erkundigt. Es ist die katholische St. Mary’s Church und es war Priesterweihe. Also haben wir uns schnell umgezogen und die Weihe ebenfalls besucht. Wir haben zwar kein einziges Wort verstanden, aber ein Kirchenbesuch in Tonga ist echt sehenswert. Auch die Kleidung ist sehr traditionell und für uns Europäer absolut exotisch. Tragen doch Männer Röcke und hier ist es üblich, sich eine Bastmatte um die Taille zu wickeln und einen Gürtel drum zu binden. Im Alltag wird das auch getragen – speziell bei einem Trauerfall in der Familie. Nach der Weihe wurden wir noch zum zweiten Teil eingeladen, draußen auf der Wiese. Da ging es etwas lockerer zu mit Tanz und Gesang und alle Gäste (um die 1.000) bekamen eine Box mit Fleisch, Fisch, Maniok, Süßkartoffel und Melone zu Essen. Unglaublich. Es war so viel in der Box, dass wir die Hälfte am nächsten Tag am Strand zum Lunch gegessen haben. Wir hatten uns am Tag einen Roller gemietet und verbrachten den Tag damit, die Insel in Augenschein zu nehmen. Da kaum touristische Highlights vorhanden sind und diese nicht ausgeschildert sind (die Insel ist ein Wirrwarr an kleinen Straßen ohne Schilder, Namen oder sonstigem und Feldwegen) haben wir mit der einzigen und groben Karte der Insel zwei Sachen nicht mal gefunden. Aber egal. Es war trotzdem schön.
In alter Tongatradition werden für Feste (Hochzeit u.ä.) riesige Matten mit sehr aufwändigen Arbeitsschritten hergestellt und bemalt, genannt „Ngatu“ oder „Tapa“. Diese können gern 15m lang und 4m breit sein. Früher wurden sie gefaltet und als Zudecke benutzt, als man noch keine Schlafdecken kannte oder importierte. Als wir an so einer Halle vorbei kamen, wo gerade gemalt wurde, hielten wir an, unterhielten uns mit den Damen und kurz darauf hatte Kathleen auch eine Art Pinsel in der Hand und malte ein Teilstück mit. Heute, am Donnerstag, wollten wir mit dem Bus zu einer Tropfsteinhöhle fahren, wo man auch schwimmen kann – aber nur mit Taschenlampe. Mit dem Bus bis in einen Ort der Insel und den Rest trampen standen wir vor dem „Geschlossen“-Schild. Beim Anruf am Morgen hatte man uns davon aber nichts erzählt. So verbrachten wir den Tag am Strand und ließen uns noch brauner braten. Morgen geht für uns früh die Fähre auf die vorgelagerte Insel Pangaimotu. Diese Wochenendausflugsinsel soll wohl gut zum Schnorcheln geeignet sein. Das Riff auf der Hauptinsel eignet sich nicht sonderlich und somit wollen wir die Unterwasserwelt mal da ausprobieren. Mal sehen, was mir da vor unsere neue Unterwasserkamera schwimmt. Noch 51 Tage bis zum Heimflug!
Kathleen bemalt eine tongaische Ngatu

