Mittwoch, 29. Dezember 2010

Western Samoa und die Insel Savai’i

Erst mal ein herzliches „Talofa!“ aus Lano. Eine kleine Entschuldigung vornweg: Internet ist hier leider noch so utopisch, dass nicht viele an das WWW angeschlossen sind – und wenn ja, dann Preise für ein paar Minuten verlangen, die bei uns ein halbes Monatsabo mit Highspeed finanzieren würden. Also seht mir bitte die Verspätung nach. Da W-LAN fast völlig unbekannt ist, kann ich Fotos in Picasa wahrscheinlich erst ab dem 07.01. – unserem nächsten Ziel – nachliefern! Wie ich im letzten Blog bereits erklärt hatte, passierten wir die Datumsgrenze und erreichten nach einem ruhigen 1,5 Stunden Flug die Insel Upolu des Staates Western Samoa. Wir kamen nachts um 22:30 Uhr an und waren schnell draußen, da wir an der Tür gesessen haben und kein anderes Flugzeug zu dieser Zeit landete. Das Taxi in die Stadt Apia (preiswerte Busse fuhren leider nicht mehr) haben wir uns mit einem anderen Deutschen geteilt, der ebenfalls einen (kürzeren) Südsee-Trip macht. Apia, gleichzeitig Hauptstadt Western Samoas, liegt mittig im Norden der Insel. Wir hatten ein kleines Zimmer vorgebucht, wollten wir doch nur eine Nacht bleiben. Am nächsten Morgen sollte es weiter auf die dünner besiedelte Nachbarinsel Savai’i gehen. Nach einem kleinen Frühstück in der Stadt organisierten wir noch kleine Dinge, die wir meinten, zu brauchen und stellten schnell fest, dass auch Samoa sehr kräftige Preise aufzuweisen hat. Aber hierher werden wir sicher nur einmal kommen und da kann man für ein paar Tage damit leben und muss halt mal wieder zusehen, wo die Tala (hiesige Währung) hin rollen. Das gleiche Problem wie in Tonga zeigte sich hier auch – keine Schilder weit und breit, wir fanden einen Busbahnhof, aber nachdem wir alle Rucksäcke dahin geschleppt hatten, stellte sich heraus, dass es der Falsche war. Also suchten wir den Richtigen und kurze Zeit später saßen wir in einem dieser verrückten Busse für die Samoa bekannt ist. Verrückt deshalb, da sie kunterbunt lackiert sind, Unmengen an Plüsch hängen beim Fahrer herum und die Busse werden vollgestopft, bis nichts mehr geht. Man sitzt auf dem Schoß von anderen Passagieren oder liegt so halb schräg nach schief auf mehreren Knien. Die Sitze (und der ganze Busaufsatz) sind aus Holz, sehr eng, und so tut einem nach einer Stunde Fahrt jeder einzelne Knochen weh. Dazu dröhnt laute samoanische Musik und die Bässe sind weithin hörbar. Losgefahren wird erst, wenn der Bus wirklich voll ist. Vielleicht hat der eine oder andere einen dieser Busse vor ein paar Monaten mal im Fernsehen mit folgendem Zusammenhang gesehen. Samoa hat vor einer Weile, wir waren in Neuseeland, von Rechts- auf Linksverkehr gewechselt und so sind einige Tage gar keine Busse gefahren, denn die Regierung hatte den Bussen das Fahren verboten, die keine Tür auf der linken Seite haben und die Fußgänger so von der Straßenmitte einsteigen hätten müssen, was offensichtlich gefährlich ist. So wurden in ein paar Tagen die Türen von rechts nach links gelegt, aber nicht das Lenkrad. So fahren hier sehr viele Fahrzeuge, inkl. den Bussen, mit einem Linkslenker im Linksverkehr. So ging es mit einem linksgelenkten, pink angemalten Bus auf der linken Straßenseite zur Fähre im Westen der Insel. Schnell ein Ticket gekauft und dann in die Schlange eingereiht, auf das 30 Mann vor einem, die Türe wieder zu geht. Man muss auf die nächste Fähre warten – 2 Stunden. Aber die sind irgendwann auch vorbei und so schoben wir uns mit den Massen auf die letzte Fähre des Tages und erreichten nach weiteren 1,5 Stunden die kleine Stadt Salelologa auf der großen Nachbarinsel. Bei jeder Fährankunft stehen viele Busse in alle Richtungen und alle Taxis der Insel bereit und so fanden wir ziemlich schnell den richtigen Bus nach Manase, ganz im Norden am Tanu Beach. Da hatten wir für sechs Nächte vorgebucht. Ein Fale. Direkt am Strand. Das Fale ist das typische Wohnhaus in Samoa. Man kann ich das ungefähr so vorstellen: Ein ovaler Boden aus Holzbrettern, oder eher ein langgestrecktes Sechseck, auf Holzsäulen aller paar Zentimeter, mit einem Palmendach und rings rum Palmenmatten, die senkrecht an einer Schnur in Reihe hängen. Diese kann man nach Belieben und Wetter hochziehen oder runterlassen. Dann kommt eine geflochtene Matte auf den Boden, eine Schaumstoffmatte drauf, ein Moskitonetz drüber – fertig ist die Unterkunft. Das Fale stand direkt erste Reihe am Strand und schon vom Ausgang bot sich ein herrlicher Blick auf das Meer. Der Strand selbst war wunderschön und so wunderte es nicht, dass wir stundenlang im Wasser lümmelten und einfach den Tag genossen. Da nun Weihnachten vor der Tür stand, war das Bussystem halb lahm gelegt und so war es sowieso schwierig, sich irgendwohin zu bewegen. Hinzu kommen Temperaturen mit hoher Luftfeuchte, die einen im Laufschritt ins klare Wasser treiben. Nach vier Tagen reichte es dann aber auch und wir verließen Tanu Beach wieder in Richtung Süden und stoppten für fünf Nächte in Lano. Hier wohnen wir momentan in den Lauiula Beachfales – gleiche Bauart, anderer Strand. Das Wetter ist gewechselt und nun merken wir deutlich, was es heißt, in der Regenzeit unterwegs zu sein. Die ersten drei Tage waren noch wechselhaft mit gelegentlichen, aber starken Schauern, heute ist es den ganzen Tag grau in grau und es regnet fast ohne Pause. Am Sonntag, dem zweiten Weihnachtsfeiertag, wollten wir gern in die Kirche gehen. So waren wir kurz nach neun Uhr in der nahegelegenen Kirche (Assembly of God) hier in Lano und erlebten einen Gottesdienst mit viel Gesang am Anfang, einer bewegten Predigt und am Ende wieder viel Gesang. Auch wenn man kein Wort versteht, ist es doch ein Erlebnis, das man nicht so schnell vergessen wird. Viele der Kirchenmitglieder haben uns die Hand geschüttelt, „Merry Christmas“ gewünscht und gesagt, dass sie sich sehr über unseren Besuch freuen. Gestern gab es dann noch ein Highlight. Wir hatten mal wieder viel Glück und bekamen eine Einladung zu einer Familienzusammenkunft. Einen Tag nach uns ist ein Familienteil aus Australien und Neuseeland angereist. Der andere Teil der Familie lebt hier in Lano und ein Bruder betreibt diese Unterkunft, in der wir wohnen. So durften wir als Gäste teilnehmen. Mal wieder die einzigen Europäer – aber nur so erlebt man es ohne touristische Verzerrungen. Es begann mit einer Kava-Zeremonie, die aber etwas anders lief als auf Fidschi. Es wurde viel geredet, leider wissen wir aber nicht, worüber. Egal. Der olympische Gedanke zählt. Nach der Zeremonie traten ein paar Kinder aus der riesigen Familie auf, sangen und tanzten. Nach einer Weile Kulturaustausch gab es für die Familie aus Übersee ein herrliches Buffet an dem auch wir teilnehmen durften. Die Küche war samoanisch und so gab es Grillhähnchen, Baumfrucht, gedämpfte Tarowurzel, Taroblätter gewickelt mit Kokosnusscreme, rohen Fisch mit Gurke eingelegt in Kokosnussmilch und andere für uns ungewöhnliche Sachen. Es war köstlich. Dazu ein eiskaltes Vailima, das Standardgetränk und einziges Bier in Samoa. Soweit ich informiert bin, steckt die Krombacher AG da mit drin. Ich kann aber ohne Internet nicht gut nachforschen. Für die Kinder gab es zum Anlass Coca-Cola, die hier noch in der altbekannten Glasflasche mit dem weißen Aufdruck verkauft wird. Heute, am Dienstag, sind wir mit einem Bus in die Stadt Salelologa gefahren, um ein Auto für morgen, den letzten Tag auf Savai’i zu mieten. Der Ort selbst hat nichts zu bieten, die Geschäfte haben Waren, die einen Europäer und Traveller nicht wirklich interessieren, sind sie doch ausschließlich auf Waren des täglichen Bedarfs und ein paar bunte Stoffe und billige T-Shirts ausgerichtet. Das Einzige was wir uns kauften, waren zwei bunte Lavalava. In anderen Ländern auch als Sulu oder Sarong bekannt. Für uns mittlerweile ein wichtiges Utensil für die Reise geworden. Ist es doch ideal als Strandtuch, Zudecke, Kopfkissen, Tragetuch, Unterlage jeglicher Art, als Wickelrock an heißen Tagen, Sonnenschutz beim Warten auf den Bus, Fliegen und Moskitoschutz am Abend, Schulterbedeckung beim Kirchenbesuch oder ähnlichen Dingen, wo man plötzlich die Schultern bedecken muss, usw. Die Möglichkeiten sind wirklich sehr vielfältig. Aber wenigstens waren wir soweit erfolgreich, dass wir für den Donnerstag einen Mietwagen gebucht haben. Mit dem Bus ist es einfach auch auf Grund fehlender Fahrpläne nervig und mit zu viel Warterei verbunden. Dann gibt es auch keine Bushaltestelle. Jeder wird vor seinem Haus entlang der Inselringstraße eingesammelt. So ist es dann halt so, dass der Bus jemanden einsteigen lässt und 15 Meter weiter jemand mit einer Münze gegen die Scheibe klopft, da er aussteigen möchte. Laufen ist nicht. So zieht sich eine kurze Strecke dementsprechend. Wir hoffen nur auf besseres Wetter, das würde uns morgen für die Inselrundfahrt schon langen. Noch 38 Tage bis zum Heimflug!