Samstag, 26. Juni 2010

Von Broken Hill über die Flinders Ranges bis Coober Pedy

Broken Hill ist eine Minenstadt am westlichen Rand des Bundesstaates New South Wales mit ca. 24.300 Einwohnern. Wir wollten in der Stadt ca. 3 Tage verbringen und checkten auf dem Silverland Campground ein. Ein super funktionierender Froster ist uns gleich aufgefallen. So hatten unsere Eisakkus (die bis 9 Tage halten sollen) ordentlich Zeit, richtig durchzufrieren. Zusätzlich noch ein 10 Liter Kanister Trinkwasser in den Froster geschoben, sollte das bis Coober Pedy zu langen. Die Stadt ist vom Bergwerk geprägt aber es finden sich noch schöne alte Gebäude in der Innenstadt und auch so macht die Stadt alles andere als den Eindruck eines schmutzigen Wüstenkaffs, ist es doch mitten im Outback von NSW gelegen. Am Anreisetag haben wir noch einen kleine Ausflug in die Stadt unternommen, ein paar Kleinigkeiten eingekauft und einen Termin in der lokalen Bibliothek für eine Internetsitzung für den nächsten Tag vereinbart. Wollte ich doch mal einige Sachen erledigen. In Australien kann man für einen beschränkten Zeitraum (meist eine Stunde) die Computer der örtlichen Bibliothek gratis oder für ein sehr kleines Entgelt benutzen. Bei zwei Personen gehen dann auch zwei Stunden. Andernfalls ist noch McDonald’s eine Alternative. Gratis W-LAN Internet (bis jetzt auf unserem Weg) in jeder Filiale. Allerdings ist das Internet da oft sehr langsam – aber gratis! Somit konnte ich einige Sachen erledigen und anschließend haben wir uns noch etwas in der Stadt umgeschaut. Ein Besuch im Eisenbahnmuseum der Stadt im historischen Bahnhof war sehr interessant. Neben alten Zügen in die man samt Lokomotive klettern konnte und alten Fernsprechern haben wir doch da das erste Mal die „Sturt Desert Pea“ gesehen (siehe Fotoalbum). Später besuchten wir den lokalen „Living Desert Park“ mit dem Sculpture Park etwas außerhalb auf einem Hügel. Hier konnte man verschiedene Wüstenpflanzen zum einen und Skulpturen von verschiedenen Künstlern der Welt zum anderen im Licht des Sonnenuntergangs betrachten. Für den dritten Tag war ein Besuch im Besucherzentrum des Royal Flying Doctor Service (RFDS) angesagt. Wir waren die einzigen auf der 11:00 Uhr Tour und bekamen von einem Mitarbeiter alles Wichtige erklärt. Dieser Service versorgt die Menschen, die im weit verteilten Outback leben, medizinisch. Die Base in Broken Hill ist die Größte der 14 Stationen in Australien und ist für ein Gebiet von 640.000km² zuständig. Das bedeutet, knapp doppelt so groß wie Deutschland. Auf Grund des Radius ist eine Gewährleistung, das innerhalb von 70 Minuten ein Arzt vor Ort und Stelle sein kann. Mit dem angeschlossenen Museum ein MUSS für einen Besuch. Die School of the Air war im Moment leider nicht zu besuchen. Wir hoffen da noch auf die (erste eröffnete Schule) in Alice Springs, wo wir in circa 3 Wochen sein werden. Am Nachmittag stand dann die Fahrt nach Silverton an, dem „Klein-Hollywood“ des Outbacks. Laut der örtlichen Information wurden dort 140 Filme gedreht. Der Ort ist sehr klein mit knapp 100 Einwohnern und hat außer ein paar verstreuten Häusern und sehr oft atemberaubendes fotogenes Licht (nicht bei unserem Besuch) nicht all zu viel zu bieten. Wir machten einen Rundgang und ich schaute mir auch ein Museum, untergebracht im Gefängnis, an. Das berühmte Silverton Hotel haben wir auch besichtigt. Ein Nachbau des Autos, wie es in Mad Max II benutzt wurde, steht vor dem fotogenen Wüstenhotel. Leider haben viele Touristen neben besagtem Auto und direkt vor dem kleinen Hotel ihre bunten und riesigen Jeeps geparkt und somit war ein stimmungsvolles Foto nicht sinnvoll. Am Sonntag war dann mal wieder eine lange Fahrt angedacht. Das nächste Ziel auf unserer Karte sind die Flinders Ranges. Dazu geht es 50km nach Broken Hill über die Grenze in den Staat „South Australia“ und dann 300km nördlich in den National Park der Flinders Ranges. Wir haben verschiedene Buschwanderungen und Schluchtendurchquerungen an den nächsten drei Tagen geplant um dann Kurs über die Staubpiste „Oodnadatta-Track“ in Richtung Coober Pedy zu nehmen.
Die Strecke in die Flinders Ranges zeigte wenig Abwechslung. An der Grenze nach South Australia wurden wir wieder aufgefordert, sämtliches rohes Obst und Gemüse aus dem Auto zu entsorgen, um der Fruchtfliege keine Chance auf Verbreitung zu geben. Die Strafe beträgt 200-11.500 AU-$ bei Nichtbeachtung. Hinzu kamen dicke Wolken und ganz wenig Regen. Das einzige Highlight war die Sichtung des wohl berühmtesten Zuges in Australien – dem „Indian Pacific“. Dieser Zug verbindet Perth in Western Australia mit Sydney an der Ostküste. Erst kurz vor meinem Abflug habe ich noch (mit meinem Vater) einen Bericht über diesen Zug gesehen. Zuerst ist er völlig unerwartet an uns vorbei gerauscht, aber in Peterborough musste der Zug auf einen entgegenkommenden Güterzug (geschätzte 1,5km Länge) warten und da konnten wir da am Bahnhof dem Lokführer zuwinken.
In den Flinders Ranges angekommen, hielten wir in Wilpena am Visitors Center und holten uns unsere Parkeintrittserlaubnis sowie bezahlten die erste Nacht am örtlichen Campingplatz. Den Nachmittag haben wir sehr ruhig verbracht, tankten Kraft für die nächsten Tage und beobachteten die Kängurus und Emus, die den Campingplatz nach saftigem Gras absuchten. Eine Mutter mit ihrem kleinen „Joe“ im Bauch, weckte natürlich unser besonders Interesse. Am nächsten Morgen ging es früh raus – wir wollten auf den St. Mary’s Peak klettern. Das ist der höchste Berg in den Flinders Ranges. Die Strecke sollte 14,6 km hin und zurück betragen. 6 Stunden wurden veranschlagt. Die ersten 4 Kilometer schafften wir spielend. Führte der Weg nur gerade durch Wald. Ab dann begann der Aufstieg und er war steil und steinig. Wir haben wirklich die drei Stunden ausgereizt. Man musste teils auf Händen und Füßen gehen, hoch klettern und sich zwischen Felsen durch schieben. Aber die Aussicht war eine Belohnung. Einen weiten Blick bot sich über den „Wilpena Pound“ – eine Art ovalen Kessel, von denen der von uns erklommene Berg auf dem Außenring liegt. Nach einer ausgedehnten Pause und einigen Fotos haben wir den Abstieg gewagt und sind nach 7 Stunden todmüde aber glücklich in Wilpena angekommen. Nach einer Dusche ging’s noch 30km nördlich auf einen Park-Campground. Einfach, ruhig und preiswerter. Am Tag darauf durchquerten wir die Bunyeroo-Gorge. Eine wunderschöne Schlucht ohne Wasser – aber mit Flussbett (7,6km hin und zurück). Da wir aber noch – wegen unseres frühen Aufbrechens – Zeit hatten, haben wir noch einen 9,6km langen Rundweg durch zwei andere Täler angeschlossen. Auch hier gab es wunderschöne Aussichten auf die langgestreckte Bergkette und die grünen Täler. Abends, ganz im Norden, im Aroona Valley, haben wir unser Lager für die Nacht aufgeschlagen und mit einem wärmenden Lagerfeuer und einer eiskalten Dose XXXX-Bier (sprich: Four-Ex) ließen wir den Tag ausklingen. Die Temperaturen fielen nachts auf 3,1°C und so waren wir auf Grund der Kälte recht früh wach. Gut für unseren dritten Wandertag. Wir wanderten zuerst zum Red Hill Lookout und genossen die Aussicht auf die Heysen-Range. Eine Bergkette, die den Hamburger Maler Hans Heysen für seine Bilder inspirierte. Hier geht auch der Heysen-Trail, einer der längsten Wanderwege Australiens. Kleine Teilstücke des Weges sind wir mit unseren Wanderungen auch gegangen. Nach mehr als 43km in drei Tagen haben wir am östlichen Ausgang der Flinders Ranges, in der Brachina Gorge noch eine Nacht gecampt. Gleich in der Nähe war eine Stelle, wo man die scheuen Gelbfuß-Felsenkängurus beobachten kann. Nach ein wenig Geduld haben wir auch welche entdeckt. Wunderschöne Kängurus, die tatsächlich gelbe Beine und einen Schwanz mit Ringmuster haben. Im Fernglas sah auch das Fell besonders dicht und glänzend aus. Ein großer Unterschied zu den Kängurus, die man sonst am Straßenrand sieht (unabhängig vom Zustand...). Nach zwei Stunden entschieden wir, dass wir mal wieder zu viele Fotos und Filme gemacht haben, obwohl auch „sich prügelnde“ Kängurus aufgenommen wurden. Die Nacht war windig aber schon am Morgen knallte die Sonne recht schnell vom Himmel. Das Frühstück genossen wir dieses Mal mit einem Schwarm Kakadus, der laut lärmend über unseren Köpfen kreiste und immer die gleichen Bäume anflog um ein paar Sekunden zu verharren. Nach den Flinders Ranges (ein unbedingtes SOLLTE bis MUSS auf der Australienreise). Nun sind wir bereits auf dem Oodnadatta-Track und sitzen am Lake Eyre – einem großen Salzsee. Zwischendurch passierten wir nur kleine Wüsten-Kaffs, die außer ein paar Wohnhäusern und einem Pub, sowie einer kleinen Tankstelle mit „General Store“ nichts zu bieten haben. Im Marree machten wir einen kleinen Ortsrundgang. Früher war Marree ein wichtiges Zentrum für den Transport. Lag es doch an der Strecke des Zuges „The Ghan“ der Adelaide mit Alice Spings verbindet. Heute führt die Strecke weiter östlich entlang und Marree ist ein kleines verschlafenes Örtchen, in dem die Outback-Touristen noch mal volltanken und ein Eis oder ein kühles Getränk genießen, bevor sie sich (wie wir) ins trockene, staubige und einsame Outback wagen. Eine Hinweistafel zeigt uns 367km bis Coober Pedy an – Piste. Da es unterwegs nicht viel zu sehen gibt, haben wir uns zwei Tage vorgenommen. In Coober Pedy werde ich anfügen, ob wir es heil geschafft haben. Und dann wird in Coober Pedy nach Opalen gebuddelt…