Sonntag, 1. August 2010

Gorgeous Gorges – traumhafte Schluchten – von Mataranka bis Darwin

Nun habe ich nach langer Zeit mal wieder Internetzugang und möchte meine Leser nicht länger mit Neuigkeiten warten lassen. Bitte vielmals um Entschuldigung für die lange Wartezeit.
Die Edith Falls sind ein herrlicher Ort zum Verweilen und Baden. Gleich am Campingplatz sind es nur ein paar hundert Meter bis zum unteren Plounge Pool. Hier gibt es auch eine große Liegewiese und Picknicktische sowie einen Kiosk in der Nähe. Da es nah am Parkplatz ist, ist es auch recht gut besucht und der kleine Badezugang mit vielen Leuten belagert. Abends kamen noch ein paar Aboriginal-Kinder und tobten sich kräftig im Wasser aus. Am nächsten Tag haben wir uns für die entfernteren Pools interessiert und sind einen kurzen Wanderweg erst zum Upper Pool und anschließend weiter zum Süßwasserpool, einen längeren Weg, gelaufen. Es war mal wieder sehr heiß und nur wenige Leute schafften den Weg dahin. So war es nicht weiter verwunderlich, dass man da so gut wie allein war. Auf dem Weg zurück nutzten wir jede Badestelle für eine Pause und genossen das herrlich saubere, ca. 23°C kühle Wasser. Nach den Edith Falls stand eine weitere Schlucht auf dem Programm. Die Umbrawarra Gorge gar nicht so weit weg. Eine 21km lange Staubpiste brachte uns auf einen kleinen Campingplatz mit Kasse des Vertrauens (hier sehr üblich und die Campingplätze werden von den Rangern (durch Regierung finanziert) unterhalten und kosten meist nur ein paar Dollar pro Person). Danach machten wir uns gleich auf den Weg in die Schlucht und bis auf ein Pärchen, welches uns entgegen kam, war niemand da. Es ging über Stock und Stein und man konnte vielleicht 500m in die Schlucht gehen – immer durch das unwegsame Flussbett oder am Ufer des sporadischen Flusses entlang, der mal hier und da ein paar Wasser- und damit Badelöcher, gebildet hat. So erreichten wir einen wunderschönen Pool und verbrachten den Tag inmitten einer steilen Schlucht (Wände ca. 30m hoch) mit echtem Sandstrand und einem kristallklaren Pool – und wir hatten alles für uns allein. Nach der Umbrawarra Gorge stand nochmals Baden auf der Liste aber dieses Mal wieder im heißen Wasser. Eine gute Autostunde weiter nördlich liegen die Douglas Hot Springs. Hier fließen zwei Flüsse ziemlich parallel und gemächlich dahin. Der eine (zu) heiß und der andere eiskalt. Mit der Weile verliert der heiße Fluss etwas an Temperatur und an der Stelle, wo beide Flüsse ineinander fließen legt man sich in den flachen Fluss mit dem Oberkörper ins warme und den Beinen ins kalte Wasser. So lagen wir ein paar Stunden, denn wir lernten Jürgen kennen und verquatschten uns mit ihm. Anfang der 70-er nach Australien ausgewandert und nun Rentner, fährt er mit einem Toyota Landcruiser, ebenfalls aus den 70-ern und mit 1,1 Mio. Kilometern auf dem Tacho, durch Australien und genießt die Zeit. Abends haben wir auch noch mit ihm herrliche und interessante Gespräche geführt, ein Bierchen getrunken und nebenbei glasklar der „Deutschen Welle“ gelauscht. Gleich neben den heißen Quellen liegt noch die Butterfly Gorge, die wir am Morgen noch mit nahmen. Wieder eine Autostunde nördlich haben wir uns den Robin Wasserfall als Etappe heraus gesucht. Hier haben wir einen Stellplatz gefunden – direkt am glasklaren Fluss. Der unspektakuläre Wasserfall ist 300m entfernt – wir haben am Nachmittag vorbei geschaut. Aber der Ort ist so schön idyllisch, dass wir spontan zwei Nächte bleiben und mal wieder entspannen. Da wir aus dem Zelt kippen und direkt im Fluss (23°C) landen können, war uns diese Entscheidung nicht schwer gefallen. Abends, kurz nach Sonnenuntergang, bekamen wir regelmäßig Besuch. Da wir so dicht am Wasser waren, gesellten sich sehr viele Frösche um unseren Zeltplatz. Beim Gang ans Auto hüpfte ständig was nach links und rechts. Zweimal war ich nur etwas erschrocken, da mir ein Frosch auf den Latz gehüpft war – im Dunkeln ein wenig irritierend… Tagsüber spazierten wir noch ein wenig durch die Schlucht und an den oberen Rand, sahen Spinnen, ganz kleine Skorpione, eine Goldene Baumschlange suchte erschrocken das Weite und wir sahen wieder viele der Agakröten, oder hier Cane Toads genannt. Diese Krötenart ist sehr giftig, wurde in den 30-ern aus Südamerika eingeführt um den „Cane Beetle“ – den Zuckerrohrkäfer los zu werden. Nur hat damals keiner gemerkt, dass Cane Toads nur 20cm hoch springen können und der Cane Beetle in 4m Höhe an der Spitze der Pflanze lebt. Das Experiment schlug fehl und somit wurde die Cane Toad eine Pest in Australien. Nur um ein Beispiel zu nennen, wie gefährlich das Problem ist: Als die Cane Toads, aus Richtung Queensland kommend, im Northern Territory vor 6 Jahren angekommen sind, wurden mittlerweile 95% des Bestandes der Northern Quoll vernichtet – einer bisher sehr verbreiteten Spezies im NT. Die Kröten sind so giftig, man hat bereits tote Krokodile gefunden, noch mit der Kröte im Maul. Somit ein weiteres unlösbares Problem hier in Australien. Man kämpft momentan stark, dass die Kröten nicht nach Western Australia kommen und mittlerweile patrouillieren im 24h Dienst Ranger an den Grenzflüssen. Wir haben in der Katherine Gorge einen Working-Holiday Traveller aus Neukaledonien kennengelernt, der sein Geld mit Cane Toads aufbesserte. Sein Farmer (er arbeitet in der Nähe auf einer Rinderfarm) zahlt ihm 0,20 AUD pro toter Kröte. Er sagte, in einer Nacht sind ohne Probleme 200 Stück drin, dann tut der Arm weh vom Zuschlagen…
Nach den Robin Falls sind wir zum Litchfield Nationalpark aufgebrochen und planten, drei Nächte im Badeparadies zu bleiben. Litchfield ist bekannt für seine schönen Bademöglichkeiten direkt unter und über Wasserfällen sowie in Flüssen. Den Hauptbadeort – die Wangi Falls – wurden gerade erst wieder frisch eröffnet (Krokodile). Gleich zu Beginn nach dem Ort Bachelor am Rande des Parks kann man sich riesige Termitenhügel anschauen. Wir haben an einem gestanden, der sicher die 6m Marke überschritt. Ganze Wiesen waren voll mit den Hügeln und erinnerten an einen Armee-Friedhof in den USA. Die erste Bademöglichkeit, und unsere erste Übernachtung, war der Florence Fall. Das Sammelbecken des Wasserfalls war voller Leute und wir wichen auf ein paar Felslöcher in der Nähe aus. Es fließt ein Fluss über kleine Stromschnellen und bildet alle paar Meter einen neuen Swimmingpool. Das Wasser ist sehr erfrischend, ist doch die Tagestemperatur nun stets (weit) über 30 Grad. Nachts geht das Thermometer auf 23-25 Grad hinunter. Mittlerweile haben wir arge Schwierigkeiten, unsere Sachen kühl zu halten. Jeder weiß, wie schnell ein Auto in der Sonne heiß wird und im Nationalpark gibt’s keinen Froster für die Eis-Akkus. Nach dieser Nacht schauten wir uns ein Gebiet mit dem Namen „The Lost City“ – die verlorene Stadt an (Allradtrack – 10,5km). Hier entstanden im Laufe vieler Jahre aus Sandsteinblöcken Gebilde und Formen, die nun wie eine Stadt, die vor 1000-en von Jahren verlassen wurde, aussahen. Abseits der Straße und weiteren 12km Allradtrack kamen wir zu unserem zweiten Lager, den Tjaynera-Falls im Süden des Parks. Ein 1,7km kurzer Wanderweg führte zum Pool des Wasserfalls und ein erfrischendes Bad wartete auf uns. Es war ein schöner Anblick, unter dem Wasserfall zu schwimmen und nach oben zur Spitze des vielleicht 50m hohen Wasserfall zu schauen. Morgens, nach einem weiteren Bad am Wasserfall, konnte man sich gleich in der Nähe noch ein altes Wohnhaus einer Familie aus den 20-ern anschauen. Das Blyth Homestead. Dazu stand noch eine Flussdurchfahrt durch trübes Wasser an. Normalerweise sind hier an jeder Stelle Messlatten, wie weit das Wasser steigt. An diesem leider nicht also sollte es nicht sehr tief sein – dachten wir. Plötzlich versanken wir dann bis 80cm im Wasser und sofort lief es zu den Türen rein – nicht sehr stark, aber es reichte, um den Boden nass zu machen, unser Toilettenpapier zu einem Klumpen Papiermaché zu verwandeln und die Wasserkartons komplett aufzuweichen. Da das eine Sackgasse war, mussten wir noch ein zweites Mal durch, aber wir hatten unseren Spaß. Wir haben uns dann aus zweierlei Gründen gegen eine dritte Nacht im Park entschieden (1.: Unsere Kühlsachen waren kurz vorm Vergammeln, 2.: Der WC-Block am Wangi-Falls Campground war saumäßig dreckig) und nach einem Bad in den Wangi-Falls – und einem allerletzten in Walker Creek – ging‘s über eine Schotterpiste nach Berry Springs. Früh nach dem Frühstück wollten wir den Wildlife Park im Ort besuchen. Dieser ist sehr sehenswert, wenn man sich besonders für die Tierwelt interessiert. Wir schauten uns zuerst im Nachthaus um, sahen dann eine herrliche Vogelschau mit einheimischen Tieren wie Bussards, Kakadus, Lorikeets und einen riesigen Jabiru. Der Weg zum Aquarium war nicht weit und so konnte man in vielen Wasserbecken die kuriosesten Fische, die das Land zu bieten hat, beobachten. Es gab zwei Highlights: Einen Glastunnel mit riesigen Barramundis, Rochen und zwei Sägezahnfischen und ein Aquarium mit einem Salzwasserkrokodil – den gefährlichsten Bewohnern des australischen Nordens. Diese Begegnung mit diesem bis zu 7m langen Monster, war eine der furchteinflößendsten, die ich lange Zeit hatte. Nur durch eine Glasscheibe getrennt, Auge in Auge und beide direkt an der Scheibe klebend – 5cm Abstand – mit dem Leistenkrokodil. Und es hat mich beobachtet!!!
Ansonsten bot der Park eine reiche Vogelwelt, verschiedene Spaziergänge mit besonderen Themen und wir nahmen an der „Hinter den Kulissen Tour“ teil und erfuhren viele interessante Dinge vom Hintergrund des Parks. Hier besuchten wir auch die Station, wo das Futter für die Tiere zubereitet wird und wir sahen bei der Fütterung der Northern Quoll zu, welche sich in einem Brutprogramm befinden um den riesigen Verlust durch die Cane Toads wieder auszugleichen und der Spezies zum Überleben zu verhelfen. Zum Abschluss besuchten wir im etwas sandigen Frischwasser riesige Rochen (kreisrund und über 1m Durchmesser) und ein erlebnisreicher Tag ging zu Ende. Morgen ist eine Tagestour auf dem Adelaide River geplant, wo wir wieder jede Menge Tierwelt zu sehen bekommen – hoffen wir!
Früh raus und nach Howard Springs gedüst – wollten wir doch um 9:00 Uhr an der BP-Tankstelle sein, wo uns Harry, unser Reiseleiter, pünktlich abholte. Eine Tagestour auf dem Adelaide-River stand auf dem Programm. Insgesamt 11 Teilnehmer (9 australische Rentner und wir!!!) fuhren erst mit dem Bus ein wenig durch die Gegend, hielten am Fogg-Damm mit einer wunderschönen Aussicht auf eine Seenlandschaft. Aussteigen war verboten – treibt sich doch ein riesiges Leistenkrokodil rum und es hat keine Angst vor Autos. Eine Falle steht schon seit Monaten aber bisher ist das Krokodil schlauer. Anschließend ein kurzer Stopp an den „Windows to the Wetlands“ – einem Informationszentrum auf einem Hügel mit einem herrlichen Blick über die Feuchtgebiete der Gegend bis zum berühmten Kakadu-Nationalpark. Nach weiteren zehn Minuten erreichten wir den Bootssteg uns Harry machte den Kahn klar für unseren Trip über den Adelaide River. Wir sahen jede Menge Natur unterwegs. Unzählige Krokodile in und am Wasser, Adler, Falken und Kites, sowie kleinere bunte Vögel. Auf einem kleinen Gebiet hatte die Firma einen kleines Camp eingerichtet, wo wir ein richtiges Barbeque als Lunch zu essen bekamen. Die älteren Mitreisenden waren sehr an unseren bisherigen Erlebnissen interessiert und sehr freundlich zu uns. Hier erzählte uns Harry, dass wir nach 10 Jahren Geschäft die ersten deutschen Teilnehmer waren. 99,9% Australier. Das konnten wir kaum glauben – aber die meisten haben nur drei Wochen Urlaub und da ist so ein Tagestrip wohl nicht drin. Nach dem sehr guten Lunch besuchten wir ein Unikum auf dem Fluss. Kai Hansen – ursprünglicher Däne – lebt auf einer Insel im Fluss, vermietet ein paar Zimmer und betreibt eine Bar. Er sagte, in der Regenzeit halten täglich bis 20 Boote bei ihm um einzukehren. Er ist ein sehr lustiger Einsiedler bis schräger Vogel, hat zwei Hunde (einer heißt Hotdog) und ein Krokodil, dass manchmal vorbeikommt, wenn er für sie kocht (haben Fotos gesehen). Dann haben wir noch die Angelruten ins Wasser gehalten und natürlich nichts gefangen, Adler gefüttert und Krokodile beobachtet. Sehr individuell und Spaß gemacht hat’s auf jeden Fall. Abends ging es gleich noch das kurze Stück nach Darwin, war doch gerade am Donnerstag Nachtmarkt. Wir haben schon von vielen Leuten gehört, dass man sich das nicht entgehen lassen soll. 18:00 Uhr waren wir da und es war sehr gut besucht. Ein Markt voll mit Fressbuden, lokalen Kunst- und Bastelwaren, Souvenirs, Didgeridoos, chinesische Massage, Krokodillederwaren, Kängurulderwaren usw. Ein buntes Durcheinander und wir mitten drin. Wir haben herrlich und günstig gegessen und das Einzige, was ich gekauft habe, war ein 10-Dollar Schein aus Australien (Sonderausgabe), der nur in einem Jahr zur 200 Jahre Besiedlung ausgegeben wurde. Diesen suchte ich seit 10 Jahren und fand ihn schließlich in Darwin auf dem Nachtmarkt. In Coolalinga auf dem Zeltplatz haben wir für drei Nächte eingecheckt und Freitag haben wir die Stadt Darwin ein wenig unsicher gemacht. Samstag ist nun mal wieder ausruhen (in Darwin ist die Temperatur jeden Tag im Jahr über 30 Grad) dran und packen – steht doch morgen unser Flug nach Singapur an. Wir sind nicht weit weg vom Flughafen und freuen uns bereits auf die kurze Pause von Australien.