Ich möchte dieses Jahr mal einen anderen Weg wählen, meiner lieben Familie, Freunden und Bekannten ein gesundes und frohes neues Jahr 2011 zu wünschen. Wir waren ja dieses Mal als letztes Land der Welt mit dem Jahreswechsel dran. Wir haben gegen 13:00 Uhr Ortszeit auf dem Markt eine Mittagspause eingelegt und da dachten wir an Deutschland, die da den Jahreswechsel feierten. Aber dazu später mehr. Wir wachten am Mittwoch nach einer stürmischen und verregneten Nacht auf und der Himmel war blau. Wir konnten es kaum glauben. Also rein in den Bus und nach Salelologa gedüst (45min für 12km) und nach dem der letzte Blog ins Internet gestellt war, nahmen wir unseren kleinen Hüpfer für den Tag entgegen. Da wir ja kein Gepäck hatten, reichte das kleine Auto völlig zu.
(Unser Autovermieter war ein sogenannter „Fa’afafine“. Die Samoaner teilen zwar die Einstellung gegen gleichgeschlechtliche Beziehungen, aber diese Präsenz der Fa’afafine ist (im Südpazifik) verbreitet und akzeptiert. Es handelt sich um Männer, die sich wie Frauen kleiden und auch wie Frauen leben. Bei uns als Transvestit bekannt. Sie sind zwar Außenseiter, sind aber als Unterhalter in Tanz und Musik sehr gefragt.)
So waren wir bereit, einmal um die 1.700 km² große Insel (circa 45.000 Einwohner) zu fahren. Die Strecke ist circa 120km lang, aber auf Grund der niedrigen Geschwindigkeit und der Stopps zog sich unsere Fahrt bis zum Abendessen hin. Es gibt kaum touristische Sehenswürdigkeiten, aber das Flair der Insel bekommt man nur dann zu spüren, wenn man sich vom Strand auch mal weg bewegt. Einen Stopp machten wir zum Beispiel an einem Grundstück, welches sehr liebevoll begrünt war. Da hat jemand einen grünen Daumen. Nach einigen Fotos ist auch jemand auf uns aufmerksam geworden und so wurden wir eingeladen, uns auch drin um zu schauen. Wir redeten ein wenig mit den anwesenden Familienmitgliedern und die Oma hat sich wahrscheinlich sehr gefreut, dass jemand ihren tollen Garten lobt. Wir haben gleich noch ein paar Bananen geschenkt bekommen und weiter ging es nach Norden. Dort gibt es große Lavafelder, wo man drauf herumlaufen kann. Savai’i ist eine Vulkaninsel, aber momentan besteht zum Glück keine Gefahr für den Menschen. Im Norden der Insel fanden wir die schönsten Strände und Buchten, die die Insel zu bieten hat. Außerdem besuchten wir das Falealupo Rainforest Reserve, ein kleiner Regenwald im Nordwesten der Insel. Das Highlight war eine 24m lange Hängebrücke hoch oben in den Wipfeln der Bäume. Dann noch ein Stück eine Hühnerleiter hochgeklettert hatte man einen herrlichen Blick über das kleine Waldgebiet. Ein paar Kilometer weiter erreichten wir das Kap Mulinu’u. Dort befindet sich ein Gedenkstein – Fafa O Sauai’i genannt. Dieser markiert das offizielle Ende der Welt. Da Samoa das letzte Land westlich der Datumsgrenze ist, kann man von diesem Punkt ins MORGEN schauen. Alles, westlich dieses Punktes gelegen, hat das morgige Datum. Das fand ich schon irgendwie faszinierend, da ich mich doch für Geografie interessiere und wann kann man schon mal ins Morgen blicken. Der Satz: „Morgen ist heute gleich gestern!“ relativiert sich dann, wenn man auf den Pazifik am „Ende der Welt“ blickt. Richtung Süden kam dann ein wenig Regen auf, aber nicht sehr störend, waren es doch nur kleine Schauer. Die Südküste ist dann eher steinig und fällt steil ab. Ein Bad ist dann nur an wenigen Stellen möglich. Kurz vor Salelologa kann man die Afu Aua Falls besuchen. In Samoa muss man für jeden kleinen Ausflug oder Sehenswürdigkeit ein kleines Eintrittsgeld bezahlen und so durften wir auch 1,65 EUR pro Person hinlegen und am Ende des Weges entpuppte sich der Wasserfall als vielleicht sehr schön, wenn es denn Wasser hätte. Die 10 Tala waren trotzdem weg und wurden bestimmt in kalte Vailima umgesetzt… Kurz nach 18:30 Uhr waren wir zurück in Lano an unserer Unterkunft. Der Speisesaal war brechend voll, kam doch die ganze Familie des Besitzers noch mal zu einem Abschiedsessen zusammen, an dem wir natürlich teilnehmen durften – war doch unsere Unterkunft mit Halbpension. Essen gehen ist auf Savai’i außerhalb Salelologas auf Grund fehlender Restaurants, oder auch Imbissen, nicht möglich. Es gibt außer Mini-Tante-Emma-Läden nichts! Die Familienmitglieder aus Neuseeland und Australien reisten zufällig am selben Tag ab wie wir. Es war so schön, die ganzen Leute von der Weihnachts-Familienparty wieder zu sehen. Sie begrüßten uns sehr herzlich und wir hatten mit den Kindern und den Jugendlichen, die erstaunlich fließend englisch sprechen, eine Menge Spaß. Als Kathleen dann noch einmal den Fotoapparat holte, waren die Kids kaum zu bremsen. Da wir einem größeren Mädchen versprochen hatten, die Bilder nach Samoa zu schicken, wollten viele ein Foto von sich und die Kamera lief heiß. Diese riesige Familie war so nett zu uns, dass sie für uns aus einem „Samoaurlaub“ definitiv eine „Samoaerfahrung“ gemacht haben was doch ein Unterschied ist.
Am nächsten Morgen brachten wir das Auto zurück und haben gleich die Fähre rüber auf Upolu erwischt. Sehr traurig für mich war an zu sehen, wie kurz vor der Ankunft viele leere Chipstüten und Getränkedosen den Weg in den kristallklaren und blau schimmernden Ozean fanden, obwohl Mülleimer bereit standen. Ich hoffe, die Menschen verstehen eines Tages, was sie damit der Umwelt antun. Am Busbahnhof in Apia habe ich auf das Gepäck aufgepasst und Kathleen hat über das Touristenbüro eine Unterkunft gesucht. Wir wollten gern ins selbe Hotel, wie in der ersten Nacht und es hat auch geklappt. Wir hatten ja vor, Silvester in Apia zu verbringen. Es stellte sich aber schnell heraus, dass nichts Besonderes los sein wird. Wir warteten also den Abend ab und nach 21 Uhr sind wir in die ausgestorbene Stadt gegangen. Die zwei Läden, wo ein Livemusik war, hatten 10-15 Gäste und in zwei anderen Bars saßen ein paar Leute herum. Das war‘s. So sind wir ein wenig frustriert wieder ins Hotel zurück und sind ohne der kleinsten Andeutung einer Party ins neue Jahr gerutscht. Die Samoaner feiern in der Familie, gehen ab 22:00 Uhr in die Kirche und verbringen Mitternacht dort. Andere Länder, andere Sitten… Da muss man sich fügen. Aber am Ende war uns das dann doch egal. Es ist halt so. Am 1.1. haben wir uns dafür ein schönes Mittagessen (mit einem Liter kräftiger Piña Colada) und Blick auf die mit Palmen bestückte Bucht von Apia gegönnt. Im Nachhinein bereuten wir nur ein wenig, dass wir von Savai‘i eher abgefahren sind, um in Apia zu „feiern“, hätten wir doch auch gut mit der Familie da ins neue Jahr feiern können. Sonntag Morgen bei Sonnenaufgang besuchten wir noch den Fischmarkt gleich in der Nähe des Hotels. Bei weitem nicht so groß wie der Hamburger Fischmarkt, aber es gab doch etwas zu sehen. Wir waren kurz vor 7:00 Uhr da und eine halbe Stunde später war schon fast alles ausverkauft. Für morgen (heute gießt es wie aus Eimern) haben wir noch mal einen kleinen Mietwagen für einen Tag reserviert, um die Insel Upolu zu erkunden. Mal sehen, was es da noch Spannendes zu erleben gibt. Noch 33 Tage bis zum Heimflug!
