Dienstag, 25. Januar 2011

Heiße Tage

Der Flug von der Insel Kaua‘i über O’ahu nach Hawai’i (Big Island) war ein Traum. Wir hatten vorher bereits im Buch gelesen, dass man sich möglichst auf die linke Seite platzieren soll und beim Buchen des Fluges bei Hawaiian Air konnte man bereits online seinen Platz aussuchen. So folgten wir dem Rat und es hat sich gelohnt. Wir hatten einen fast blauen Himmel und besonders der An- und Abflug auf O’ahu mit dem Flughafen Honolulu war schön, da gelandet und gestartet, beide Male in die gleiche Richtung, mit dem schönen Blick links. So konnten wir noch mal Honolulu sehen, sowie Waikiki und den Strand, den Diamond Head Krater und den Koko Head Krater auf dem wir zwei Wochen vorher rumgekraxelt sind. In Hilo auf Big Island kam sogar unser Rucksack an, hatten wir doch in Honolulu gerade 15 Minuten zum umsteigen. Also das nenne ich schnell und zuverlässig. Wie Bus fahren. Bis in unser drittes Domizil in der Nähe der kleinen Stadt Pahoa sind es von Hilo 35 Kilometer und wir wurden auch schon erwartet. Es hatte sich etwas verspätet, da die Autoausgabe und das Einkaufen im Supermarkt länger dauerte, als ich geplant hatte. Aber egal. Die Dame (man kann auch ruhig schon OMA sagen) begrüßte uns sehr herzlich und zeigte uns unser Quartier. Bei ihr am Haus hat es einen separaten Eingang in ein Zimmer mit einer Kochzeile und einem Bad. Das besondere hier ist allerdings, dass wir keine Fenster, sondern nur Fliegengitter haben. Im Bad gibt es eine Badewanne und man kann sich ein rötliches Licht wie auf dem Vulkan anmachen. Heute werde ich das wohl mal genießen zum Kraft schöpfen für morgen. Das Grundstück ist ein Waldstück gehauen und einen Meter hinter unserem Bad beginnt dichtester Regenwald. Außerdem ist hier der „Caribbean Tree Frog“ – der karibische Baumfrosch heimisch. Relativ klein gibt es sie hier zu Millionen. Das Besondere an ihnen ist, dass sie ab Sonnenuntergang ein lautes Pfeifen von sich geben, welches man dann die ganze Nacht hört. Da unsere Tage aber immer so vollgestopft sind, sind wir abends so müde, dass wir meist nach zwei Minuten tief uns fest schlafen. Uns haben die Jungs noch nicht gestört. Aber nochmal zum Vulkan. Am ersten Tag besuchten wir den Hawai’i Vulcanoes National Park. Hier befindet sich der zur Zeit aktivste Vulkan der Erde, der Kīlauea. Seit Januar 1983 ist hier Action, aber nicht im Hauptkrater (Kilauea Caldera genannt), mit dem Halemaʻumaʻu Krater (liegt im Hauptkrater), sondern an einer anderen Stelle, mit dem schwierigen Namen: Puʻu ʻŌʻō. Dort fließt (auch momentan) Lava heraus und das wollten wir uns genauer anschauen. (Für Interessierte – es hat Webcams unter: http://volcanoes.usgs.gov/hvo/cams/) Man kann um den Kīlauea Caldera zur Hälfte herumfahren, aber nur im Halemaʻumaʻu Krater kann man Aktivität beobachten, Hier tritt seit einigen Monaten eine riesige Wolke Schwefelgase aus und somit haben die Ranger den Teil der Runde gesperrt, über den die Wolke zieht. Wir sind dann noch eine Straße runter zum Fuß des Vulkans gefahren, wo es seit 2002 immer wieder zum Lavafluss gekommen ist. Die Straße ist dann ab einer Stelle für PKW gesperrt und man muss zu Fuß weiter. Mit einem Mal liegt dann Lava einen Meter (und mehr) dick über der Straße. Heiße, fließende Lava gibt es derzeit dort aber nicht zu sehen. Dafür auf der anderen Seite des – ich nenne es mal so zum Verstehen – Hanges. Dort kommt die Straße von der anderen Seite, ist dann ebenfalls gesperrt und man läuft eine halbe Meile. Wir waren einen Tag zu spät. Konnte man am Tag zuvor die Lava drei Meter vor sich über die Straße fließen sehen. Bei uns war kaum was zu sehen. Hier und da mal ein kleiner Aufbruch und daraus strömende Lava, aber meist weit weg. Aber es ist ein schöner Effekt, besonders, wenn es Nacht und somit dunkel ist. So haben wir uns am nächsten Tag für eine Tour eingetragen, die bis an die Stelle geht, wo die Lava ins Meer fließt. Unterwegs sieht man deswegen nicht so viel, weil die Lava unter der festen Lavaschicht in Tunnel (genannt Lava-tubes) zum Meer fließt. Trifft die circa 1100 Grad heiße Lava jetzt auf das Ozeanwasser, kühlt sie sich ab, legt sich und bildet im Laufe der Zeit neues Land. Es war schon merkwürdig, auf Land spazieren zu gehen, dass gerade mal ein halbes Jahr alt war, da letztes Jahr im Juli ein riesiger Ausbruch stattfand. Vorher war da noch Ozean. Der Ort Kalapana wurde übrigens 1990 zerstört und die Lava hat 183 Häuser in Schutt und Asche gelegt. Am nächsten Tag sind wir ein wenig in Hilo gewesen, haben noch mal eine Macadamia-Nuss-Farm besucht. Doch das Highlight des Tages war eindeutig die abendliche Tour. Wir haben uns 16:30 Uhr bei einem Haus, welches mitten in das Lavafeld von 1990 gebaut wurde, eingefunden, uns mit Taschenlampen, Handschuhen (die Lava ist scharf wie Glassplitter, wenn man hinfallen sollte und sich abstützt) und mit viel guter Laune und Abenteuerlust ausgestattet und 17:00 Uhr starteten wir in Richtung Lava – aktiver und heißer Lava. Mit einem dicken Holzstock. Nach gut 30 Minuten über Lava laufen, erreichten wir den aktuellen Strom. Beim Drüberlaufen soll man nicht lang stehen bleiben, fangen sonst die Schuhsohlen an zu schmelzen. Aber unser Guide Ken hat immer vorher geschaut, wann wir wo stehen können. Nach einer Weile rumspielen (mit dem Stock in die Lava pieken) gingen wir zum eigentlichen Höhepunkt, dem Eintritt ins Meer. Es war unglaublich interessant, besonders als die Sonne weg war und die grell glühende Lava ins Meer floss. Der Eintritt ist erst eine Woche alt und somit noch ein Baby. Ist er sehr groß, kann man nicht mehr so nah ran und spritzende Lava ist sehr gefährlich. Das Wasser dampfte natürlich sofort und die Wolke sieht man noch weit. Wir schauten eine Weile fasziniert zu und kurz bevor wir gehen wollten, brach die Lava richtig durch und ein großer Schwall ergoss sich in das Meer. Atemberaubend. So schauten wir noch und Ken verdiente sich von allen ein großzügiges Trinkgeld, haben wir die normale Tourzeit um eine Stunde überzogen. Aber es kam immer wieder zu großen Aufbrüchen und wir konnten nicht weggehen. (Ein kurzes Video habe ich mal mit eingestellt. Kurz, wegen der großen Datenmenge pro Sekunde. Es zeigt erst einen Aufbruch und hervor quellende Lava und dann den Fluss ins Meer mit der Dampfwolke.) Am Sonntag war auch nichts mit ausschlafen, wollten wir doch in zwei Tagen um die Insel düsen, mit einer Zwischenübernachtung. Erster Stopp war am Punalu’u Strand. Dieser Strand ist der bestzugängliche schwarze Strand der Insel. Da die Lava ja wie beschrieben Land kreiert und pechschwarz ist, sind nun auch einige Strände schwarz. Sieht ein wenig ulkig aus, wenn man das klare blaue Wasser sieht, schöne Palmen in grün-gelb und pechschwarzer Sand! An diesem Strand gibt es noch eine Besonderheit. Sieht man hier oft das Nationaltier Hawai’is – die Green Sea Turtle – eine Meeresschildkröte (hawaiianisch: Honu). Zwei lagen am Strand und schliefen in der Sonne und einige weiter tobten im Wasser. Weiter die Straße kommt man an den South Point. Offensichtlich der Südpunkt der Insel und nicht nur das – hier befindet sich der südlichste Punkt der USA. Auf den Keys in Florida gibt es sowas zwar auch, aber da zählt nur das Festland der USA. Es war sehr windig, und man kann deutlich sehen, dass der Wind immer nur aus einer Richtung kommt. Es gibt Bäume, die liegen fast waagerecht, sind sie doch während des Wachstums ständig dem starken Wind ausgesetzt. Das es hier einen Windpark gibt, wundert dann nicht mehr. Einen Lunchstopp wollten wir an einer Bucht an der Westküste machen – der Honomalino-Bay. Dazu fährt man vom Highway runter zum Miloli’i Strand und läuft dann circa 20 Minuten. Im Buch haben wir leider lesen müssen, dass an vielen Stränden, Wasserfällen etc. wo nicht viel los ist, die Autos aufgebrochen werden – eine große Plage in Hawai’i. Als wir durch eine Wohngegend kurz vor dem Miloli’i Strand fuhren, die ein wenig Ähnlichkeit mit der Schneewittchensiedlung in meiner Heimatstadt hat, haben wir auf den Spaziergang verzichtet und haben unsere Brote in Sichtnähe des Autos gegessen. Übernachtet haben wir ganz in der Nähe der Kealakekua Bucht südlich von Kailua-Kona. Die Bucht kennt wohl keiner, aber sie ist doch in einem völlig anderen Zusammenhang weltberühmt. Hier, in dieser Bucht, wurde am 14. Februar 1779 morgens um 8:00 Uhr der große Navigator und Entdecker James Cook ermordet. Wir übernachteten in einem kleinen Hostel und heute morgen waren wir schon wieder die Ersten in der Küche zum Frühstücken. Es war gerade 9:30 Uhr, da standen wir am Strand in der Kiholo Bucht und gruben unsere Füße in schwarzen Lavastrand und ließen sie vom Meerwasser umspülen. Die Bucht war kaum besucht und so beobachteten wir wieder viele Honu, sowie eine Gruppe Buckelwale, die tolle Sprünge weit vor der Küste, aber mehr als deutlich erkennbar, vollführten und –zigmal mit ihren riesigen Flossen auf die Wasseroberfläche klatschten. Den dabei entstandenen Knall hat man bis an den Strand gehört. Ein wunderschönes Gefühl, sowas life sehen zu dürfen. Eine Wal-Beobachtungstour wollten wir zwar auch noch machen, aber es war alles ausgebucht. Aber dann machen wir das bei unserem nächsten Aufenthalt… irgendwann. Die Straße folgte meist der Küste und auf der rechten Seite blinzelte immer wieder der Mauna Kea durch, der größte Vulkan der Erde mit 4.205m. Was ich auch nicht wusste, würde man vom Fuß des Berges messen, wäre der Mauna Kea mit 10.205m der höchste Berg der Welt. Diesen, und die Straße – genannt Saddle Road, also Sattelstraße – zwischen den Vulkanen (Mauna Kea und Mauna Loa) gelegen, werden wir morgen gesondert unter die Lupe nehmen. Einen schönen Ausblick an der Nordküste wollten wir auch nicht verpassen, den Blick ins private Waipi’o Tal. Direkt gelegen zwischen zwei Bergen. Die Zufahrt hinunter geht nur mit einem Allradfahrzeug, ist doch eine 25%ige Steigung zu bewältigen, was immerhin einem Winkel von 45 Grad entspricht. Weiter auf dem nördlichen Stück der Straße kann man noch zwei Stücken der alten, meist einspurigen Strecke fahren. Da kommt man durch dichten und hohen Wald und aufgrund der engen Straße ist es sehr gespenstisch und recht schattig. Autos begegnen einem kaum, rast doch alles über den schnelleren Highway. Der letzte wichtige Stopp war dann noch ein Wasserfall – der Akaka Wasserfall kurz vor Hilo. Auf dem Parkplatz stand ein Schild, dass Parken im Gelände kostenpflichtig sei und so wollten wir wieder besonders schlau sein und parkten draußen. Wir mussten das gleiche bezahlen – bei uns hieß es dann mit einem Mal „Eintrittsgebühr“. Egal. Es war sehr schön, führte der Weg doch durch dichte tropische Vegetation mit Bambus, Farnen und Pflanzen, die man bei uns mühsam züchtet, wachsen hier in riesigen Hecken und Büschen ohne menschliches Zutun. In Hilo haben wir den Tag mit einem kleinen Eis beendet und freuen uns schon auf morgen und den schneebedeckten Mauna Kea – den weißen Berg. Noch 12 Tage bis zum Heimflug!