Dienstag war der Tag, an dem es hoch hinaus gehen sollte. Der Mauna Kea stand auf dem Programm. Gibt es doch eine Straße, die bis auf den 4.205m hohen Gipfel führt. So machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg. 100km Fahrt von unserer Unterkunft in Pahoa zur Mitte der Insel. Über Hilo ging es auf die Saddle Road. Ehemals nur für die Armee angelegt, ist es eine schnellere Verbindung zwischen Ost- und Westteil der Insel. Aber es geht hoch hinaus. Schon unterwegs auf dieser Straße bekommt man die Höhenluft zu spüren. Irgendwann biegt dann die Straße nach rechts ab und ab da geht es mit streckenweise 12% bergauf in Richtung Gipfel. Wir hatten wettermäßig großes Glück. Schon von der Kreuzung konnte man den Berg bis zum Gipfel sehen. Wir machten uns auf den Weg nach oben. Ab dem Besucherzentrum ist die Straße nur noch eine Schotterpiste, abgesehen von den letzten 3 Meilen vor dem Gipfel. 4 Meilen vor dem Gipfel hauchte unser Auto aus, es wollte nicht mehr. Entweder es bekam selbst zu wenig Luft oder die Straße war zu steil. Da war nur ein Parken in einer Bucht möglich und wir wollten ein Stück laufen. Auf Grund der Höhe bekamen wir aber so schnell Atemprobleme, dass wir nach 200m schon kaum noch Luft bekamen. Eine australische Familie nahm uns mit ihrem Jeep bis zum Gipfel mit. Oben war die Luft zwar recht dünn, aber dafür glasklar. Man sieht es sehr gut an den entstandenen Fotos vom Gipfel. Es war kalt, aber erträglich und der Blick war einfach grandios. Man konnte sogar von Weitem den Mauna Loa sehen. Auf dem Gipfel des Mauna Kea stehen sehr viele Hightech-Teleskope aus vielen Ländern der Welt und es arbeiten circa 50 Mann permanent da oben. Es handelt sich um eine sehr moderne Sternwarte oder Astronomiestation. Da auf Grund besonderer Luftströme der Gipfel über den Wolken liegt, hat man diese besondere Klarheit der Luft, die sich positiv auf die Sichtverhältnisse niederlegen, wie ich auch bei unseren Fotos bemerkte. Die Straßenlaternen auf Big Island haben auch extra einen gelben dumpfen Leuchtton, um die Astronomen möglichst wenig zu stören. Die Ur-Hawaiianer finden das Ganze nicht so schön, ist doch der Berg für sie von großer spiritueller Bedeutung. Wir sind nach einem ausgiebigen „Aussicht genießen“ wieder bergab zu unserem Auto marschiert. Das ging wenigstens nicht so auf die Lunge. Aber so hat man unterwegs auch die Möglichkeit, sich umzuschauen und zu genießen. Mittlerweile ist aber eine dicke Wolkenschicht aufgezogen und die Saddle Road lag in dichtem Nebel mit Sichtweiten von teilweise 20m. Die ganz harten Autofahrer, zeigten, dass sie das auch ohne Licht fahren können. Ganz super. Abends ging es uns dann nicht ganz so gut. Besonders mir hatte die Höhe nicht bekommen und starke Kopfschmerzen verursacht. Aber der Blick war es wert. Mittwoch auch noch leicht außer Gefecht gesetzt, haben wir noch ein wenig ausgeruht, die Sachen wieder gepackt, den halben Tag die weiche Hauskatze verwöhnt und ehrlich gesagt, den drei Wochen Hawaii nachgetrauert. Es war wirklich eine wunderschöne Zeit und einer der besten und abwechslungsreichsten Stopps auf unserer Reise. Doch am Donnerstag morgens 4:00 Uhr klingelte uns der Wecker zurück in die Realität und wieder mal stand der Weg zum Flughafen bevor. Auch dieses Mal hatte wieder alles hervorragend funktioniert und kurz nach 15:00 Uhr Ortszeit begannen wir mit dem Anflug auf das Moloch Los Angeles. Von oben (und nicht nur das) eine riesige Stadt mit Verkehr ohne Ende. Als wir dann in unserem Mietwagen saßen und Richtung Norden die Stadt verlassen, fuhren wir mitten auf so einer Straße, die wir von oben noch gesehen haben. Eine 8-spurige Autobahn – in jede Richtung!!! Diese riesigen Autobahnen reichen aber anscheinend noch nicht ganz, denn wir haben auch gut im Feierabendstau gestanden. Hier kam uns aber mal wieder eine geniale Erfindung in Amerika zu Gute. Die Carpool-Lane (Lane=Spur). Bei einem Carpool handelt es sich um ein Fahrzeug, in dem mindestens 2 Passagiere sitzen (manchmal auch mind. 3 Passagiere, je nach Ausschilderung). Da wir ja zu zweit waren konnten wir auf dieser freien linken Spur an dem ganzen Stau vorbei ziehen. Sehr angenehm. Eine Strafgebühr für eine falsche Benutzung (allein im Fahrzeug) beläuft sich übrigens momentan auf mindestens 341,- US$. So sollte man sich das überlegen. In Camarillo, unserem geplante Ziel angekommen, war nur noch Zeit im Hotel einzuchecken und zu schlafen. Das Hotel haben wir nicht ganz ohne Grund ausgesucht. Befindet sich doch in Camarillo (und zwar auch direkt nebenan) die Camarillo Premium Outlet Mall. Hier haben fast alle bekannten Modedesigner einen Laden und bieten die Waren in einem sogenannten „Factory Outlet“ günstiger an. Im Moment ist noch Winterschlussverkauf und so kann man auf Rabattjagd gehen. Das haben wir auch den ganzen Tag gemacht. Die Mall ist riesig und mit über 100 Geschäften dauert es schon eine Weile, bis man das gesehen hat, was man möchte. Da wir vor unserer Reise unseren Kleiderschrank über Jahre hinweg (zu Gunsten des Reisekapitals) arg „abgetragen“ haben, nutzen wir momentan hier die Chance, den wieder aufzufüllen. Sind doch die Preise hier um einiges günstiger wie in Europa. Somit bleiben uns dann wieder ein paar Jahre „Shopping in Europa“ erspart. Von Camarillo führte der Weg in Richtung Las Vegas im Bundestaat Nevada aber erstmal nach Barstow. Dort übernachteten wir bei Motel 6, einer Kette für die ich über 8 Jahre gearbeitet habe. Von Barstow fährt man endlos scheinende Meilen durch die Mojave-Wüste, die sehr trocken und baumlos aussieht. Links und rechts sind kahle Berge, zum Teil mit Schnee auf den Kuppen, zu sehen. Unterwegs sieht man oft diese runden Büsche, die der Wind wie in den alten Western durch die „Prärie“ kullert. Nur rollen die Dinger hier auch über den Highway. Unterbrochen wird der Highway nur durch gelegentliche Servicestationen/-städte für die Autofahrer mit uns bekannten und unbekannten Fressbuden und unzähligen Tankstellen. Heute, am Sonntag, sind wir als letzte Station noch im Premium Outlet Center in Las Vegas gewesen, aber nun reicht es. Die Anfahrt auf die Glitzerstadt in der Wüste ist auch so, dass man als sächsischer Bürger einer kleinen Provinzstadt (ehemalige Kreisstadt) Kamenz einfach kaum den Mund zu bekommt und den Kopf schütteln muss. Die riesigen Hotels, bekannt aus den unzähligen Filmen, die hier gedreht wurden, sieht man schon aus fast 30km Entfernung. Wir haben schon lange im voraus ein Zimmer im großen Stratosphere-Hotel am südlichen Ende des „Strips“ – der Hauptmeile – gebucht. Über 2.400 Mitarbeiter sind hier für die (spielsüchtige) Kundschaft da. Die Zimmer sind unschlagbar günstig, wollen doch die Hotels, dass man das Geld in die Casinos schafft. Nachdem wir unser Auto geparkt hatten, durchquerten wir die Lobby des Hotels und gleichzeitig Spielcasino mit mehreren hundert Spielautomaten, die bunt flimmerten und laut klimperten. Wie im Film. Unser Zimmer in der siebten Etage (leider mit Blick auf eine Betonwand) ist dafür aber schön geräumig, sehr leise und mit einem riesigen Flachbildfernseher, der vermutlich die ganze Zeit aus bleiben wird. Ich will ja die Stadt anschauen. Fernsehen kann ich zu Hause wieder. Da wir in diesem Hotel Gast sind, können wir auch die Vorzüge des Hotels nutzen und der Größte für mich ist der, dass man jederzeit kostenlos auf den Turm kann. Von da hat man einen tollen Überblick über die riesige Stadt. Las Vegas wollte ich eigentlich nur wegen der besonderen Atmosphäre (als alter Serienfan von „CSI-den Tätern auf der Spur“, die hier spielt) und der grellen Nachtbeleuchtung sehen. Als Hobby-Nachtfotograf und Hotellier freue ich mich schon sehr daraus, die Hotels tagsüber anzuschauen (wie das Venezian muss ja von innen ein Traum sein) und nachts von außen zu fotografieren. Ich glaube, zocken sollte ich wohl nicht, denn gestern beim chinesischen Abendessen stand in meinem Glückskeks: Invest, but never speculate! – Investiere, aber spekuliere nie! Das war wohl genau der richtige Keks für diesen Teil der Reise. Noch 6 Tage bis zum Heimflug.
